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Südheide Rheinmetall: Investitionen in Unterlüß wahrscheinlich
Celler Land Südheide Rheinmetall: Investitionen in Unterlüß wahrscheinlich
17:52 21.03.2012
DEr Vorstand von Rheinmetall vor der Pressekonferenz 2012 - v. l. Quelle: Tore Harmening
Unterlüß

Der Gesamtkonzern erzielte einen Umsatz von 4,45 Milliarden Euro, zwölf Prozent mehr als 2010, und einen EBIT von 354 Millionen Euro, ein Plus von 57 Millionen Euro oder 19 Prozent. Freuen können sich die Aktionäre. Der Vorstand will eine Dividende von 1,80 Euro vorschlagen.

Der größte Wachstumsbringer im Konzern ist derzeit der Automobil-Bereich. Die Rüstungssparte, zu der auch das Werk in Unterlüß gehört, hatte zwar auch einen Umsatzanstieg von sieben Prozent verbucht, im EBIT wegen Abschreibungen aber ein Minus von fünf Prozent erreicht. Auch der Auftragseingang sank um sieben Prozent, auch wenn er mit 1,8 Milliarden Euro laut dem Unternehmen immer noch auf hohem Niveau liegt.

Angesichts von sinkenden Budgets in den Verteidigungshaushalten der Staaten in den USA und Europa rechnet der Konzern in den bisherigen Teilen des Unternehmens im Defence-Bereich mit leicht sinkenden Umsätzen. Allerdings werden diese aufgefangen durch das Gemeinschaftsunternehmen mit MAN, das ab 2012 erstmals in der Bilanz auftauchen wird. So soll der Umsatz auf 2,5 Milliarden steigen. Eberhardt kündigte an, dass im Bereich der Fahrzeugsysteme ein Programm zur Kostensenkung umgesetzt wird. „Wir erzielen dort keine zweistellige Marge. Daran müssen wir arbeiten“, sagte Eberhardt. Auf Unterlüß hat dieses Programm aber laut dem Unternehmen keinen Einfluss. Am Rande der Pressekonferenz gab es zudem gute Nachrichten.

Eine Millioneninvestition für das Rheinmetall-Werk in Unterlüß, mit der auch zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, wird wohl in nächster Zeit getätigt. Konkret geht es um ein Schneid- und Biegezentrum für Bleche und Panzerstahl. Die Kosten würden laut dem neuen Standortleiter Ralf Prechtl im unteren einstelligen Millionenbereich liegen. Er geht von mindestens 25 Arbeitsplätzen aus, die dadurch entstehen.

Allerdings muss der Vorstand noch zustimmen. Doch die Zeichen dafür stehen nicht schlecht. „Es sieht gut aus“, sagte Armin Papperger am Rande der Bilanzpressekonferenz gestern in Düsseldorf. Papperger war bis Ende 2011 Chef in Unterlüß, ist inzwischen aber in den Gesamtvorstand der Rheinmetall AG berufen worden und vertritt dort den Bereich Defence.

Insgesamt wird es in der Rüstungssparte in den kommenden Jahren Veränderungen geben. Denn die Anforderungen der Streitkräfte in und um Deutschland haben sich geändert. „In Europa gibt einen Trend weg von den ganz schweren Fahrzeugen wie dem Leopard II hin zu den leichten bis mittelschweren Fahrzeugen wie dem Puma. Das birgt aber auch neue Potenziale“, sagte Oliver Hoffmann, Sprecher von Rheinmetall Defence, im Vorfeld der Bilanzpressekonferenz. Betroffen von dieser Entwicklung ist vor allem die Rheinmetall-Landsysteme GmbH, bei der am Standort in Unterlüß 370 von 1100 Mitarbeitern beschäftigt sind. Allerdings geht es laut dem Unternehmen um Neuausrichtung und nicht um Personalabbau. Das machte auch der Vorstandsvorsitzende der Rheinmetall AG, Klaus Eberhardt, bei der Vorstellung der Zahlen für 2011 noch einmal deutlich. „Wir haben einen erheblichen Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeitern und brauchen sie auch weiterhin gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung“, sagte Eberhardt. Der Konzern habe einige Stellen, die er derzeit nicht besetzen könne.

Um Nachwuchs heranzuführen, wurde in Unterlüß vor einiger Zeit eine Kooperation mit der dortigen Hauptschule abgeschlossen. Schüler der Schule werden im Rheinmetall-Werk über Praktika mit der Arbeit vertraut gemacht. Die Hauptschule wird aber im Zuge der Schulstrukturreform im Landkreis Celle aufgelöst. Wie Hoffmann sagte, gebe es derzeit noch keine Neuregelung, allerdings habe es Anfragen von anderen Schulen für eine Kooperation gegeben. Er sagte aber noch nicht, woher die Anfrage kam, weil er Verhandlungen dazu nicht vorgreifen wollte. Ohnehin ist aus Sicht von Rheinmetall noch ein bisschen Zeit, weil die bestehende Kooperation noch drei Jahre laufen wird.

Bei einem weiteren Projekt in Unterlüß, der Fertigung von geschützten Kabinen für Lastwagen als Zulieferer für das Gemeinschaftsprojekt von MAN und Rheinmetall, ist der Konzern offenbar auch einen Schritt weiter. Über die Aufnahme der Produktion wird der Vorstand des Unternehmens wohl in der nächsten Zeit entscheiden.

Von Tore Harmening