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Südheide Rotkäppchen muss keine Angst haben
Celler Land Südheide Rotkäppchen muss keine Angst haben
17:44 26.06.2012
Am 16. Juni nahm eine Fotofalle diese beiden Wˆlfe auf - dem Truppen¸bungplatz Munster-Nord auf. Quelle: Helge John
Unterlüß

„Ich habe das Glück, dass sie bei mir sind“, sagt Helge John. Und das Glück des Försters beim Bundesforstbetrieb Lüneburger Heide in Munster ist ziemlich groß: Er ist der einzige der 42 Wolfsberater in Niedersachsen, der sicher sein kann, dass sich in seinem Bereich Wölfe aufhalten. Durch Fotografien und Kotfunde ist bewiesen, dass wenigstens zwei Tiere ständig auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord leben. John geht von wenigstens drei Wölfen aus: Die beiden Losungsfunde sind von zwei weiblichen Tieren, das Foto, das vor gut anderthalb Wochen entstand, zeigt sehr wahrscheinlich eine Fähe und einen Rüden.

Vor zwei Wochen gab es auch im Bereich Meißendorf, am Rande des Truppenübungsplatzes Bergen-Hohne, mehrere Wolfsichtungen. John geht davon aus, dass dieser Wolf bereits im Winter im Norden des Platzes seine Spuren hinterließ. Dieses Tier hat mit den Wölfen in Munster seiner Meinung nach nichts zu tun. Vielleicht ist es ein Durchwanderer.

Ein Wolf war bereits im Mai 2011 in Munster-Nord in die Fotofalle gegangen. Dann war bis März Pause, am 16. Juni wurden erstmals zwei Tiere gleichzeitig abgelichtet. John geht davon aus, dass beide geschlechtsreif sind. Die Ranzzeit - die Paarungszeit - ist bei den Wölfen ab Februar. Demnach könnten jetzt schon Welpen da sein. Die halten sich die ersten fünf Wochen im Bau, in einer Röhre unter der Erde auf. Erst danach wechseln sie nach Johns Angaben zu dem sogenannten Rendezvousplatz, wo sie von den Eltern gefüttert werden. Vielleicht sind sich die beiden Wölfe auch erst kürzlich über den Weg gelaufen, dann würde sich erst nächstes Jahr Nachwuchs einstellen.

John ist nicht nur Wolfsberater für die Truppenübungsplätze, der Escheder ist auch für den Landkreis Celle zuständig. Dass auch im Celler Land Wölfe auftauchen, ist für ihn keine Überraschung. Seit 2000 sind in Deutschland über 150 Wolfswelpen geboren worden, von denen etwa 40 umkamen, die meisten durch Verkehrsunfälle. „Die anderen 110 wandern in alle Himmelsrichtungen, 50 bis 60 in Richtung Westen“, sagt der Förster. Damit werde die Wahrscheinlichkeit immer größer, dass sich auch fern der Lausitz ein Wolfsrüde und eine Fähe begegnen.

Angst müssten die Menschen deswegen nicht haben, sagt John, der sich inzwischen intensiv mit den großen Beutegreifern beschäftigt und ständig Kontakt zu den Fachleuten in der Lausitz, aber auch zu Britta Habbe, der Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft, oder zu Bärbel Pott-Dörfer, der Wolfsexpertin des niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, hat. Er setzt auf Öffentlichkeitsarbeit, informiert gern Schüler oder Landfrauen. Dass ein Wolf auch mal ein Schaf reißt, wird vorkommen. Ein Fuchs hole auch mal ein Huhn. „Damit wird man leben müssen“, sagt John.

Von Joachim Gries