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Südheide „Schischyphusch“ erheitert und bewegt
Celler Land Südheide „Schischyphusch“ erheitert und bewegt
16:46 09.04.2013
Brigitte Buhre bewegte - mit ihrer akzentuierten Lesung der - Borchertschen Texte - die Zuhörer. Quelle: Udo Genth
Hermannsburg

Die Schauspielerin aus Aumühle war, wie sie in der Pause verriet, auch in den Hamburger Kammerspielen aufgetreten, in denen Borcherts bekanntestes „Draußen vor der Tür“ 1947 seine Premiere hatte. Gerade dieses Drama ist seit jener Zeit unverrückbare Schullektüre. Nicht viele Deutsche wissen freilich, dass Borchert schon als Halbwüchsiger begonnen hatte, Gedichte und kleinere Geschichten zu schreiben. Vier davon las Buhre vor.

„Die Hundeblume“ hieß die erste, etwas längere und handelte von den Empfindungen eines Gefangenen. Hier hat Borchert, der oft mit den Oberen in Konflikt kam, durchaus eigene Erlebnisse aufbereitet. „Die Küchenuhr“ als zweite und „Nachts schlafen die Ratten doch“ als darauf folgende Geschichte handelte von Kriegsfolgen und den Verwerfungen, die sie bei Menschen anrichten. „Ich habe die Geschichten selbst ausgesucht“, sagte Brigitte Buhre. Die abschließende Geschichte mit dem verwirrenden Titel „Schischyphusch“ handelt von zwei ganz unterschiedlichen Charakteren, die zufällig zusammentreffen. Da beide einen Sprachfehler haben, ist eine komödiantenhafte Situation nahezu unausweichlich.

Allerdings ist der Inhalt mehr als nur eine Humoreske, vielmehr entwirft Borchert in seinem Text ein überaus differenziertes und feinfühliges Psychogramm der handelnden Personen. Das verlangte ein kongeniales Lesen, das der Schauspielerin in glänzender Weise gelang. Schon allein das ständige Umschalten von glatten Sätzen und solchen, in denen der Sprachfehler deutlich wird, erforderte viel Konzentration der Lesenden. Von Anstrengung war jedoch nichts zu merken, vielmehr gestaltete Brigitte Buhre mit atemberaubender Leichtigkeit und gutverständlichem Ausdruck den ganz sicher sehr schweren Text. Dabei passte sie ihr Mienenspiel wie auch einige sparsam verteilte Gesten dem Handlungsfluss an, die das Zuhören zu einem Vergnügen werden ließen. Dabei blieb keinen Augenblick der ernste Hintergrund durch die jahrelang aufgestaute Tragik der einen Figur auf der Strecke.

Die Zuhörer dankten mit starkem Applaus. Walter Scheller vom Evangelischen Bildungszentrum als Organisator überreichte der lesenden Schauspielerin eine Rose als Dank, die mehr als nur eine chevalereske Geste war.

Von Udo Genth