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Südheide Schnucken-Eintrieb in Misselhorn als Urlaubsereignis
Celler Land Südheide Schnucken-Eintrieb in Misselhorn als Urlaubsereignis
17:11 19.10.2016
Beobachtet von Zuschauern führt Schäfer Richard Braun seine Herde zum Stall. Quelle: Udo Genth
Misselhorn

Nahezu auf die Minute kam die Schnuckenherde um die Ecke und begab sich auf den Weg, der von der umgebenden Heide direkt zum Stall führte. Vorweg ging der Schäfer mit ruhigem Schritt, fest in der Hand sein Hirtenstab. Der hatte am oberen Ende eine Art metallener Schlinge. Damit konnten Heidschnucken, die entlaufen wollten, schnell wieder an ihren Beinen gepackt und am Fliehen gehindert werden. Das war aber nicht nötig, denn „Senta“, der Altdeutsche Hirtenhund, umrundete aufmerksam die Herde.

Kurz vor dem Stall standen die Zuschauer und fotografierten. In ihren Heimatorten sind Schnucken nicht alltäglich. Daraus ergaben sich viele Fragen, die Schäfer Richard Braun geduldig und voller Sachkenntnis beantwortete. Er ist nach eigenen Angaben schon rund 70 Jahre lang Schäfer und kennt sich aus wie wohl kaum ein Zweiter seines Fachs. So wurden nicht nur die Tiere, sondern ebenso der Herr der Schar viel fotografiert. Seine Herde bestand zum überwiegenden Teil aus Heidschnucken, dazwischen gab es jedoch ebenso zahlreiche „Coburger Füchse“, die an ihrer hellbraunen Farbe leicht auszumachen waren.

Je näher die Tiere dem Stallgebäude kamen, desto mehr beschleunigten sie ihre bis dahin geruhsame Gangart, bis sie letztlich fast durch den breit geöffneten Eingang stürmten. „Die bekommen jetzt ihr Abendbrot“, schmunzelte Schäfer Braun. Das bestand aus Heu, denn „die Heide bringt jetzt nicht mehr viel“, erklärte Braun und meinte damit deren geringe Nährstoffe im Herbst. Nachdem einige Zuschauer bis in den Stall gefolgt waren und sich umgesehen sowie ausgiebig fotografiert hatten, wurde das Tor geschlossen. Es war knapp mannshoch und aus Eisen. „Das ist notwendig“, erläuterte der Schäfer, „wir haben hier nämlich Wölfe“. Damit war das Schauspiel für die Zuschauer beendet, und sie zerstreuten sich langsam.

Carl W. Kuhlmann, der Vorsitzende des Verbandes Lüneburger Heidschnuckenzüchter, erläuterte, weshalb es besondere „Eintrieb“-Tage gibt: „An einem Tag sind die Zuschauer die Taktgeber“. Kuhlmann weiß, wovon er redet - schließlich hat er in Niederohe selbst eine Schnuckenherde von rund 900 Tieren.

Von Udo Genth