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Südheide Schwalbennester bei Brut zerstört
Celler Land Südheide Schwalbennester bei Brut zerstört
17:28 11.06.2012
Die Schwalben krallten sich an die leeren Stellen an der Wand, wo die Nester entfernt worden waren. Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Hermannsburg

Schwalben werden oft als Glücksbringer angesehen. Nicht so in der Billingstraße in Hermannsburg, wo an einem Haus 15 Schwalbennester zerstört wurden. Bärbel Dethlefs von der Nabu-Ortsgruppe Hermannsburg/Faßberg wurde von Nachbarn informiert, machte sich vor Ort ein Bild von dem Geschehen und fotografierte das Tierdrama.

„Verzweifelt schreiend flogen die Mehlschwalben immer wieder um das Dach und krallten sich an die leeren Stellen an der Wand. Zwei Vögel wurden bei ihren Panikflügen von Autos erfasst und überfahren. Es war ein schrecklicher Anblick“, sagt Dethlefs.

Nach ihren Angaben nehmen die Schwalbenbestände kontinuierlich ab, weil die Tiere oft als Fassadenbeschmutzer angesehen und ihre Nester an Hauswänden immer weniger geduldet werden. Dabei könne man mit einfachen Kotbrettern direkt unter den Nestern die Hausfassaden vor Verunreinigungen schützen, erläutert die Naturschützerin.

Dass es auch anders geht, hat Dethlefs in der Straße Olendorp in Hermannsburg beobachtet. Dort haben die Eigentümer künstliche Nisthilfen für die Schwalben angebracht. Die selbstgebauten Nester waren wohl wegen des schlechten Nistmaterials immer wieder abgestürzt. Schwalben fehlen oft Bereiche, in denen sie feuchten Lehm zum Nestbau finden.

„Die Flugakrobaten sind von unserer Duldung abhängig“, sagt Dethlefs. Ansonsten würden sie in absehbarer Zeit aus den meisten Gegenden verschwinden.

Die Naturschützerin macht auch auf den rechtlichen Aspekt der Entfernung der Nester aufmerksam. Nach Paragraf 42 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, wild lebenden Tieren oder besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Unter diese Regelung fallen auch die Mehlschwalben und ihre Nester.

Die Zerstörung eines Nestes ist eine Ordnungswidrigkeit. Wenn Jungvögel dabei getötet oder verletzt werden, macht sich der Übeltäter strafbar. Die Naturschutzbehörde kann eine Geldbuße bis zu 50.000 Euro verhängen, die Straftat kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden.

"Momentan darf man an Schwalbennester nicht ran“, sagt Kreisdezernent Gerald Höhl und spricht von einer Ordnungswidrigkeit. Gebe es belastbare Zeugenausgaben, werde seine Behörde tätig, so Höhl zum Vorfall in Hermannsburg.

Von Joachim Gries