Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Südheide "Selbst entscheiden, was ich esse"
Celler Land Südheide "Selbst entscheiden, was ich esse"
14:38 14.03.2012
Waltraud Scepke mit jodfreiem Snack. Quelle: nicht zugewiesen
Weesen

Seit 1981 hat Waltraud Scepek aus Weesen Probleme mit ihrer Schilddrüse. Knapp zwanzig Jahre lang musste sie Jodid gegen ihre Schilddrüsenunterfunktion nehmen, vom Arzt genau dosiert. 2010 änderte sich alles. Die neue Diagnose: Schilddrüsenüberfunktion. „Also das genaue Gegenteil“, sagt Scepek.

Das Jodid setzte sie ab, die Weesenerin nimmt nun ein neues Mittel. „Alle vier bis sechs Wochen wird die Wirkung durch meinen Arzt kontrolliert“, sagt Scepek. Sie möchte jedoch nicht nur mit Medikamenten etwas für ihre Gesundheit tun. Nach der neuen Diagnose wurde der gebürtigen Berlinerin bewusst, wie viel Jod sie durch ihre Ernährung unkontrolliert zu sich nahm. „Weil Jod nicht gut für mich ist, möchte ich mich möglichst jodarm ernähren.“

Doch dieses Vorhaben ist gar nicht so einfach in die Tat umzusetzen. Im Supermarkt findet Scepek kaum jodfreie Nahrung, in vielen Lebensmitteln ist sogar extra Jod beigefügt. „Die Angaben auf den Produkten sind teilweise nicht eindeutig“, bemängelt sie. Auch in den meisten Restaurants wird nicht auf den Wunsch der Dame eingegangen, mit Speise- statt Jodsalz zu kochen: „Nur zwei Restaurants, die ich kontaktiert habe, haben sich darauf eingelassen.“ Eigentlich ist Scepeks Wunsch einfach: „Ich möchte selbst entscheiden können, was ich esse, und nichts zu mir nehmen, was ich nicht brauche.“

„In Edeka-Märkten sind jodfreie Lebensmittel kein Thema“, sagt Anne Lehmbrock, Pressesprecherin von Edeka. Auf jedem Produkt ist jedoch in der Zutatenliste angegeben, ob Jod enthalten ist. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. „So können sich die Kunden etwas weiterhelfen.“

Carsten Bauer, Amtsarzt des Gesundheitsamts Celle, stellt klar, dass eine jodfreie Ernährung nicht möglich ist. Im Großteil der Produkte seien zumindest Spuren von Jod enthalten. Man könne sich Jod in der täglichen Ernährung kaum entziehen. „Personen mit einer Schilddrüsenüberfunktion sollten möglichst auf jodierte Lebensmittel verzichten, also Lebensmittel, denen extra Jod beigemischt wird“, rät Bauer.

Der Amtsarzt relativiert das Risiko von Jod bei einer Schilddrüsenüberfunktion, wie sie bei Scepek auftritt. Ein gelegentlicher Restaurantbesuch, bei dem etwas größere Mengen Jod als gewöhnlich eingenommen werden, sei bei einer Schilddrüsenüberfunktion nicht gefährdend. „Man sollte schon darauf achten, was man isst. Es ist aber kaum möglich, seine gesundheitliche Situation mit einer Schilddrüsenüberfunktion durch etwas Jod im Essen dramatisch zu verschlechtern“, sagt Bauer.

Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion, die Jod in ihrer Ernährung vermeiden möchten, sollten das Gespräch mit ihrem behandelnden Arzt suchen. Generell sei eine jodarme Ernährung zwar ratsam, jedoch nicht der ausschlaggebende Faktor für eine gute gesundheitliche Entwicklung bei einer Schilddrüsenüberfunktion. (ath)

Von Amelie Thiemann