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Südheide So reichhaltig sind Flora und Fauna auf dem Unterlüßer Schießplatz
Celler Land Südheide So reichhaltig sind Flora und Fauna auf dem Unterlüßer Schießplatz
18:50 08.05.2018
Von Christopher Menge
Hirschbrunft am Morgen: Auf dem Schießplatz fühlen sich viele Tiere sehr wohl, schließlich kommen in manche Bereiche gar keine Menschen. Das Bild, das Förster Rüdiger Quastgeschossen hat, hängt in der neuen Rheinmetall-Kantine. Die FOJANA (Forst-Jagd-Naturschutz) gehört neben der Entwicklung von Waffen und Munition zum Firmenprofil. Quelle: Rüdiger Quast
Unterlüß

In seiner ganzen Pracht sitzt ein Birkhahn seelenruhig auf einem Grünstreifen, von einem lauten Knall in der Ferne lässt er sich nicht stören. Die Vogelart ist vom Aussterben bedroht, im nordwestdeutschen Tiefland bieten neben dem Naturschutzgebiet Lüneburger Heide nur noch die Truppenübungsplätze Bergen sowie Munster Nord und Süd Lebensräume für das Birkwild – und der Rheinmetall-Schießplatz bei Unterlüß.

Hier – im EU-Vogelschutzgebiet „Große Heide bei Unterlüß und Kiehnmoor“ – hat es im vergangenen Jahr eine Erfassung der Brutvögel gegeben. Die Ergebnisse, die jetzt vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz veröffentlicht worden sind, weisen das Vorkommen von 116 verschiedenen Vogelarten auf. „Davon stehen 28 Arten auf der Roten Liste“, berichtet Rüdiger Quast, Förster auf dem Rheinmetall-Schießplatz.

Sein Kollege Hermann Mielich und er waren stolz, als sie von den Ergebnissen der Kartierung erfahren haben. „Das zeigt, dass unsere Strategie funktioniert“, sagt Mielich. Neben dem Birkhuhn beherbergt ihr Reich, das zu einem Drittel im Landkreis Celle und zu zwei Dritteln im Landkreis Uelzen liegt, zum Beispiel auch den Raubwürger und den Wendehals – beide Vogelarten stehen ebenfalls auf der Roten Liste.

Seeadler brüten in der Heide

Und mitten in der Heide leben auch Fisch- und Seeadler. Letzterer ist der größte Greifvogel Nordeuropas. „Der Wechsel zwischen Heideflächen und Moorbereich macht das hier unheimlich attraktiv“, sagt Mielich. Zudem hat Quast zwei große Teiche angelegt, wo die Adler genügend Nahrung finden. Am Rand der Gewässer brüten weitere Vögel. Auf einer Insel finden Kraniche Schutz vor dem Fuchs.

Denn so paradiesisch es für die Vögel in dem Schutzgebiet auch ist, die Feinde fühlen sich hier auch pudelwohl. „Die Jagd ist ein wichtiges Instrument für den Naturschutz“, betont Quast. „Ein ausgewogenes, artengerechtes Jagdmanagement ist daher ein wichtiger Teil des Gesamtkonzeptes.“

Forst, Jagdund Naturschutz

Dieses trägt den Namen „FOJANA“, der sich aus Forst, Jagd und Naturschutz zusammensetzt. „Der Nutzen muss da sein“, betont Quast. „Wald und Heide sind die wirtschaftliche Grundlage, die garantiert, dass die Biotope langfristig erhalten bleiben.“ Mielich geht noch einen Schritt weiter: „Die Artenvielfalt gibt es hier nur, weil der Mensch aktiv ist“, sagt der Forstingenieur, der seit zwei Jahren bei Rheinmetall arbeitet.

Aus 3300 Hektar Wald, 880 Hektar Heideflächen und 440 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche sowie Moor- und Wasserflächen besteht die „FOJANA“. In viele Bereiche kommen nur selten Menschen, denn zum einen sind große Teile des Areals Naturschutzgebiet und zum anderen ist der 15 Kilometer lange und zwischen 3 und 5 Kilometern breite Schießplatz Sperrgebiet. „Vom Schießlärm lassen sich die Tiere überhaupt nicht stören“, sagt Quast. Zumal es ja kein Manövergebiet sei, sondern von festen Feuerstellen geschossen werde.

Der Rheinmetall-Schießplatzchef Thomas Bengsch spricht von einer harmonischen Kombination. Auf der einen Seite dient der Schießplatz der Erprobung von Waffen und Munition sowie zivilen Produkten aus dem Automotive-Bereich, auf der anderen Seite ermöglicht die Natur eine Artenvielfalt. So würden jedes Jahr Teile der Heide abgebrannt, um eine freie Sicht zu haben, und dadurch gleichzeitig vielfältige Strukturen für die Lebewesen geschaffen. Manche Bereiche werden von Rheinmetall gar nicht genutzt. Die etwa 160 Mitarbeiter des Schießplatzes dürfen zudem nur die Wege nutzen und nicht quer durchs Gelände fahren.

Quast und Mielich sind dabei sozusagen Flächenmanager, die versuchen, möglichst vielen Arten einen Lebensraum zu bieten. Dafür platzieren sie zum Beispiel einen Steinhügel oder einen Sandhaufen in der Landschaft, haben den Fluss Gerdau renaturiert und für die Fischadler einen Kunsthorst errichtet.

Wolf jagt mit

Neben 1183 verschiedenen Schmetterlingsarten, von denen 189 auf der Roten Liste stehen, wandern im Sommer zur Heideblüte auch 700 Bienenvölker in die „FOJANA“ ein. Zudem fühlen sich viele Säugetiere hier pudelwohl. Rot-, Reh- und Schwarzwild sind auf offenen Flächen aber kaum noch sichtbar. Schließlich jagt seit 2007 auch der Wolf auf dem Schießplatz. „Das Wild geht dem Wolf aus dem Weg“, sagt Quast. Der Jagderfolg des Menschen sei daher nicht mehr so planbar. Der Förster erwartet, dass es Zielkonflikte zwischen Wolf und anderen geschützten Arten geben wird. Schließlich hat der Wolf keine natürlichen Feinde. Und auch der Beutegreifer hat auf dem Rheinmetall-Schießplatz seine Heimat gefunden – dem Paradies in der Heide.

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