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Südheide Tamilen vermitteln in Hermannsburg ihr Lebensgefühl
Celler Land Südheide Tamilen vermitteln in Hermannsburg ihr Lebensgefühl
17:00 06.06.2017
Tamilische Tänzer zeigten Besuchern ihre Kultur. Quelle: Kirsten Glatzer
Hermannsburg

Interessierte Besucher hatten kürzlich die Gelegenheit, sich im Evangelischen Bildungszentrum Hermannsburg eine Aufführung dieser Gruppe anzuhören und anzusehen. Ute Penzel, ELM-Referentin und Indienexpertin, sowie der ökumenische Mitarbeiter des ELM Charles Raj, Dalit und Pastor der TELC, moderierten den Abend.

Bei den Künstlern und deren Begleitung handelte es sich um eine interreligiöse Gruppe von Protestanten, Katholiken und Hindus. Die tamilische Dalit-Gruppe aus Tiruchirappalli im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu präsentierte Tänze und Musik aus ihrer Heimat. Mit dabei waren die Parai-Trommler, die insbesondere den Freiheitskampf der Dalits verkörpern, mit ihren kraftvollen, treibenden Rhythmen im wahrsten Sinne des Wortes tonangebend.

Dalit ist der Name, den sich diese Menschen selbst gegeben haben. Er bedeutet so viel wie "zerbrochen" oder "gebrochen". Früher bezeichnete man sie als Kastenlose, als Unberührbare, da sie vollkommen aus dem System der Kasten herausfallen. Und sie stellen in Indien bis zum heutigen Tag eine Bevölkerungsgruppe dar, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird.

Merkmale des indischen Kastensystems sind die Einteilung der Menschen in Gruppen sowie eine streng geregelte Rangordnung. Nach der indischen Verfassung aus dem Jahr 1950 darf heute zwar niemand mehr aufgrund seiner Kaste diskriminiert werden, doch die Realität sieht anders aus.

"Was das Berufliche angeht, gibt es zwar gerade in den Städten mittlerweile eine Akzeptanz untereinander, aber was den privaten Bereich betrifft, gibt es immer noch kaum Berührungspunkte. Man heiratet auch nach wie vor in den eigenen Kasten", erläuterte Penzel.

Mahatma Gandhi nannte sie Harijan, was übersetzt so viel wie „Kinder Gottes“ bedeutet, doch diese Bezeichnung lehnten die Dalits stets ab, da sie nicht als schützenswerte Kinder, sondern als gleichgestellte Menschen wahrgenommen werden wollen. Diesem Wunsch nach Gleichberechtigung und Stärke verleihen sie Ausdruck mit ihrer Musik und ihrem Tanz. Und daran ließen sie in Hermannsburg rund 60 Besucher teilhaben, die sichtlich berührt waren von den Darbietungen.

Von Kirsten Glatzer