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Südheide Tod des Österreichers Anton Koschuh bei Unterlüß weiter ungeklärt
Celler Land Südheide Tod des Österreichers Anton Koschuh bei Unterlüß weiter ungeklärt
11:59 19.01.2014
Absperrband der Polizei erinnert am Bahndamm zwischen Unterlüß und Suderburg an die Suche nach Anton Koschuh. Quelle: Joachim Gries
Unterlüß

UNTERLÜSS. Wie starb Anton Koschuh? Es ist fraglich, ob jemals geklärt werden kann, wie der 43-jährige Österreicher im Sommer vergangenen Jahres ums Leben kam. Am Abend des 22. Juli hatte er in Hamburg eine Zugfahrkarte gekauft, obwohl er ein Ticket für den Rückflug nach Wien in der Tasche hatte. Der Diplom-Ingenieur und freiberuflich tätige Landschaftsplaner hatte in der Hansestadt die Internationale Gartenschau besucht.

Anton Koschuh verschwindet. Seine Brüder Max und Hans, die vorher nahezu täglich Kontakt zu ihm hatten, machen sich Sorgen. Sie starten in Österreich eine Suchaktion, nehmen Kontakt zu Zeitungen auf, fahnden im Internet nach ihm. Vergeblich versuchen sie, an die Handydaten ihres Bruders zu gelangen, ebenso vergeblich sind ihre Bemühungen, bei der Bank Auskünfte über eventuelle Bewegungen auf Anton Koschuhs Konto zu erlangen.

Bruder Max startet im August im Internet ein Online-Tagebuch, „wirsuchentoni“ heißt eine Facebook-Seite. Es gibt keine Spur. Einen Monat nach Koschuhs Verschwinden notiert der Bruder: „Wir können kein einziges Lebenszeichen verbuchen. Niemand hat Toni gesehen. Einen Suizid schließen wir aus. Gründe, die gegen einen Suizid sprechen, gibt es viele: Seine Leidenschaft für die Natur und die Landschaftsplanung. Toni hat einen großen Bekannten- und Freundschaftskreis sowie den Rückhalt einer großen Familie. Toni ist gebildet und sozial engagiert.“

Am Vormittag des 7. Oktober wird die Familie Koschuh im Landeskriminalamt in Graz über die Fahndung der Polizei informiert. Erkenntnisse, wo Anton Koschuh stecken könnte, gibt es nicht. Es gibt keine Kontobewegungen auf seinem Konto, die Telefonrechnung weist aus, dass sein Handy nicht benutzt wurde.

Am Vormittag des 7. Oktober findet ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn an der Böschung der Hauptstrecke Hannover-Hamburg, zwischen Unterlüß und Suderburg, kurz hinter der Kreisgrenze, einen Rucksack. Später stellt sich heraus, dass er den Reisepass von Anton Koschuh enthält. Die Polizei nimmt am 18. Oktober im Bereich Räberspring, unweit des Suderburger Ortsteils Räber, an der Bahn die Suche auf, fast drei Monate nach dem Verschwinden von Anton Koschuh. Es werden weitere Gegenstände aus seinem Besitz gefunden. Und menschliche Knochen, die DNA-Untersuchung ergibt eine Woche später, dass es sich um sterbliche Überreste von Anton Koschuh handelt.

Seither wird im Internet spekuliert, wie der Österreicher ums Leben kam. Kann er während der Bahnfahrt Opfer eines Verbrechens geworden und aus dem fahrenden Zug geworfen worden sein? Ist er auf der Suche nach einem offenen Auto von dem Waggon eines Autoreisezugs gefallen? War es ein Unfall, war es Selbstmord? Wie kam Anton Koschuh an die Bahn zwischen Suderburg und Unterlüß? Was hat es mit den Hilferufen auf sich, die eine Jägerin am Abend des 24. Juli in dem Bereich gehört haben will? Die Polizei war damals nicht fündig geworden.Bei weiteren Suchaktionen bis in den Dezember hinein werden weitere Knochen gefunden. Anwohner wollen gehört haben, dass bis auf den Schädel und eine Hand das gesamte Skelett gefunden wurde. Reste der Absperrbänder sind auf dem Areal zu finden.

Anfang Januar erhält Familie Koschuh in Graz aus Hamburg den Totenschein, eine Todesursache ist nicht angegeben. Polizeisprecher Kai Richter von der Polizei Lüneburg sagt nur, man schließe ein Gewaltverbrechen aus. Die Ermittlungen würden andauern. Max Koschuh erhielt am Dienstag Dokumente zur Todesursachenermittlung, darin ist nur von einer „vermutlichen Ursache“ die Rede. Es soll ein Unfall gewesen sein. Die Frage bleibt offen: Wie starb Anton Koschuh?

Von Joachim Gries