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Südheide Traditionsbetrieb in Hermannsburg gibt auf
Celler Land Südheide Traditionsbetrieb in Hermannsburg gibt auf
18:45 28.11.2014
Ein Stück Hermannsburger Tradition verabschiedet sich: Thomas Hermsdorf schließt sein Schuhhaus Ende Januar 2015. Quelle: Udo Genth
Hermannsburg

„Das ist sehr traurig“, sagt Uwe de Klark. Der stellvertretende Vorsitzende des Hermannsburger Örtzerings bedauert die Schließung des Schuhhaus Hermsdorf im Hermannsburger Ortskern. Inhaber Thomas Hermsdorf, der in vierter Generation das alteingesessene Geschäft am Anfang der Lotharstraße führt, nennt für sein Aufhören einen einfachen Grund: „Ich sah einfach keine kaufmännische Perspektive mehr.“

Die heutige Mentalität der potenziellen Kunden, auf Beratung im Fachgeschäft zu verzichten und stattdessen im Internet zu bestellen, sei eine Ursache dafür. Diese Wandlung im Kaufverhalten werde flankiert durch die Industrie, die Einzelhändlern hohe Abnahmequoten auferlegt. Gerade dieser Zwang benachteilige Geschäfte in kleineren Orten, stellte Helmut Friedrichs fest. Er ist der Senior-Chef des Schuhhauses gleichen Namens im benachbarten Bergen. Sein Geschäft wird durch das Aufgeben von Hermsdorf in die Lage gebracht, das einzige Schuhfachgeschäft im Nordkreis zu sein, das hochwertige Ware anbietet. Obwohl er schon seit einiger Zeit einen vermehrten Zuspruch von Kunden aus Hermannsburg, Unterlüß und Faßberg registriert, stellt Friedrichs heraus: „Ich empfinde da keinerlei Schadenfreude“. In diesem Zusammenhang verweist er auf die ständigen Anstrengungen, die Attraktivität der Stadt Bergen für Kunden auch von außerhalb zu erhalten und zu erhöhen.

Axel Flader, der designierte Bürgermeister der neuen Gemeinde Südheide, reagiert auf das Aufgeben von Hermsdorf mit Betroffenheit. „Die Schließung des Geschäftes in zentraler Lage von Hermannsburg ist ein Verlust für den Einzelhandel“, sagte er. Die kaufmännische Entscheidung sei allerdings nachzuvollziehen, fährt Flader fort. Er sieht ebenso im geänderten Kaufverhalten der Bürger und der vielfachen Hinwendung zum Internet die Ursachen.

Für sein Geschäft hat Thomas Hermsdorf die Reißleine gezogen, für sich persönlich strebt er eine neue Tätigkeit an, noch sei aber nichts festgelegt. Bis Ende Januar wird Hermsdorf seine volle Aufmerksamkeit dem Schuhhaus widmen. Ein Kapitel findet für ihn jedoch definitiv seinen Abschluss: Sein Amt als Vorsitzender des Örtzerings wird Thomas Hermsdorf in der turnusgemäßen Sitzung Ende Februar 2015 niederlegen. Dieser Entschluss habe nicht unmittelbar mit der Schließung zu tun, vielmehr habe er ihn schon früher dem Vorstand mitgeteilt.

Von Udo Genth