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Südheide Trotz MVZ in Hermannsburg: Facharztmangel im Nordkreis Celle
Celler Land Südheide Trotz MVZ in Hermannsburg: Facharztmangel im Nordkreis Celle
17:49 13.01.2014
Von Carsten Richter
Ein mittlerweile typisches Problem für ländliche Regionen: Immer mehr Landärzte schließen ihre Praxis – sich in der Stadt niederzulassen ist schlichtweg lukrativer. Quelle: dpa
Hermannsburg

"Dabei geht es um die Abdeckung des gesamten Nordkreises Celle", betont Hermannsburgs Bürgermeister Axel Flader. Das medizinische Angebot müsse sich beispielsweise von dem in Bergen unterscheiden. "Kurze Wege sind wichtig", sagt Flader – und denkt dabei vor allem an ältere Menschen, die weniger mobil sind. Flader bemüht sich ständig, Ärzte für das MVZ zu gewinnen. Inwieweit 2014 das Angebot an Fachärzten aufgestockt werde, könne er aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, so Flader. "Aber zum Beispiel fehlt in der Nähe noch ein Facharzt für Urologie."

Das Allgemeine Krankenhaus (AKH) als Betreiber sieht das MVZ Hermannsburg gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurzeit gut aufgestellt. "Alle Stellen konnten nachbesetzt werden", sagt Geschäftsführerin Anja Knoop-Kausche. "Wir haben qualifizierte junge Ärzte gewinnen können." Dr. Dragoslav Vukanovic und Carola Doorentz sind als Allgemeinmediziner am MVZ tätig, mit dem Ärztlichen Leiter Dr. Wolfgang Quirini sind auch die Orthopädie und die Unfallchirurgie abgedeckt. Seit Juni verstärkt außerdem Dr. Andreas Gaede als hausärztlicher Internist die Versorgung vor Ort. Dr. Harten Voss hat sogar seinen Ruhestand unterbrochen, um den Verlust eines kassenärztlichen Sitzes in Hermannsburg zu verhindern – seit Jahresanfang praktiziert er als Hausarzt im MVZ. Mehr als 35 Jahre hatte er eine Praxis im Ort. Und sofern die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) die Genehmigung erteilt, wird bis Mitte des Jahres ein weiterer, junger Allgemeinmediziner das Ärzteteam im Versorgungszentrum verstärken.

"Wir sind bemüht, die ländliche Bevölkerung auch mit Fachärzten zu versorgen", so Knoop-Kausche. Doch dem Betreiber AKH seien die Hände gebunden – die Bedarfsplanung liegt bei der KVN. Ihr Pressesprecher Detlef Haffke bescheinigt dem Landkreis Celle allgemein eine gesicherte Versorgung mit Fachärzten. Im gesamten Kreisgebiet gebe es nur jeweils eine freie Stelle für Allgemeine Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychotherapie und Radiologie – die Richtlinien hat ein zuständiger Bundesausschuss festgelegt. "Rechtlich gibt es keinen großen Bedarf." Haffke gesteht jedoch ein, dass Patienten häufig längere Wege zum nächsten Facharzt zugemutet würden – ein Problem, mit dem auch die Menschen im Nordkreis zu kämpfen haben. Und das sich in den nächsten zehn Jahren noch häufen wird: Der Altersdurchschnitt der Ärzte liegt momentan bei 54 Jahren. Viele Mediziner scheiden also aus Altersgründen in absehbarer Zeit aus.