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Südheide Ungezügelte finnische Tango-Leidenschaft in Hermannsburg
Celler Land Südheide Ungezügelte finnische Tango-Leidenschaft in Hermannsburg
16:24 27.05.2015
Konzert mit dem Bielefelder „Trio Saimaa“ Quelle: Benjamin Westhoff
Hermannsburg

„Der Tango ist der Blues der Finnen“, soll ein finnischer Künstler einmal gesagt haben. Dass das allerdings nur die halbe Wahrheit ist, bewies das Bielefelder Trio „Saimaa“ auf Einladung der Kulturinitiative „AugenSchmaus“ bei seinem Konzert am Dienstag in der Hermannsburger „La Taverna Lounge“. Die finnische Sängerin Anna-Katariina Hollmérus und ihre Begleiter Christian Becker (Piano, Basspedal) und David Herzel (Schlagzeug) tauchten den finnischen Tango mit ihren mitreißenden Interpretationen in intime Club-Atmosphäre und verbanden die süße Melancholie des Tangos mit dem Charme poppig-frischer Arrangements. „Die Finnen sind die Einzigen, die sich in Moll freuen können“, unterstrich Hollmérus augenzwinkernd den Unterschied zum Tango Argentino.

Ihr vor Emotionen nur so sprühender Gesang war neben ihrer begeisterungsfähigen Textauslegung der zumeist ironisierten Verse voller – mitunter spröd-lakonischem – Witz und von großem Unterhaltungswert, womit sie das Publikum auf humorvolle Weise auf die Spuren des finnischen Gemüts im Tango bugsierte. Dabei brodelte in ihrer sanften, aber raumfüllenden Stimme immer ein Vulkan, mal in sich versunken, mal temperamentvoll ausbrechend.

Ob im Mittsommernachtstango „Die Königin der Nacht“ der Vollmond von Karelien besungen wurde oder mit „Korkan Ruusu“ („Die Rose von Korkan“) die immer wieder aufs Neue Sehnsucht erweckende und beglückende Liebe oder im Nachkriegstango „Satumaa“ („Märchenland“) der schier unstillbare Wunsch des Menschen, in ein Land zu fliegen, in dem Frieden herrscht („...aber ohne Flügel geht das nur im Märchen“) – Hollmérus füllte die Tangos ebenso wie die ausgewählten Popjazz- und finnischen Folklore-Balladen mit Leben und entführte die begeisterten Zuhörer in eine wahrhaft traumhafte Welt, klangmalerisch adäquat unterstützt durch ihre ungemein virtuosen musikalischen Begleiter. Und sie verdeutlichte dabei, warum die finnische Tango-Szene zu den lebhaftesten der Welt zählt: Kein aufgesetztes Pathos und keine gekünstelte Tristesse, sondern ungezügelte Leidenschaft und Gefühlstiefe.

Von Rolf-Dieter Diehl