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Südheide Unterlüßer Wolf lebt in artenreicher Umgebung
Celler Land Südheide Unterlüßer Wolf lebt in artenreicher Umgebung
12:10 26.04.2013
Rheinmetall-Förster - Theo Grüntjens - am Wolfsstein, wo 1952 - ein Tier erlegt worden war. Quelle: Joachim Gries
Unterlüß

UNTERLÜSS. „Hier wird er entlang gekommen sein“, sagt Theo Grüntjens und weist auf den großen Findling. Unter einer Wolfsangel ist zu lesen: „Wolfsrüde gestreckt 23.3.1952, Gew. 50 kg.“ Damals, als Hermann König das Tier erlegte, sei das eben so gewesen, damals habe man den Wolf mit anderen Augen gesehen. Genau hier streift heute wieder wenigstens ein Wolf durchs Gelände. Unweit dieser Stelle wurde er 2007 erstmals fotografiert, nachdem ein Jahr zuvor erste Sichtungen eines Wolfs in Niedersachsen seit Jahrzehnten auf der Rheinmetall-Schießbahn nördlich von Unterlüß gemeldet worden waren. Seither ist Grüntjens von dem Beutegreifer fasziniert, als Wolfsberater informiert er über das Tier und ist Ansprechpartner bei Sichtungen. Zurzeit wird etwa einmal pro Woche die Anwesenheit des „Rheinmetall“-Wolfs aus der Region rund um die Schießbahn gemeldet.

Der Chef der Abteilung Fojana – Forst, Jagd, Naturschutz – der Rheinmetall Waffe Munition GmbH hat den Wolf in der Vergangenheit immer wieder mal gesehen, kürzlich gelang ihm aus kurzer Entfernung ein erster guter Schuss mit der Kamera. Ausgerechnet dort, wo es auf der Schießbahn am lautesten ist, im Bereich des Sprengplatzes. Der Wolf beäugte ihn aufmerksam, bevor er sich geordnet zurückzog.

Fast 6000 Hektar vielfältiger Landschaft stehen dem Wolf auf der Schießbahn zur Verfügung. An den Rändern rund 3500 Hektar Wald, dazwischen ausgedehnte Heidelandschaften mit Baumgruppen, die Bachtäler der Sothrieth, der Schmarbeck und der Gerdau durchziehen das hügelige Gelände. Das Naturschutzgebiet Kiehnmoor ragt in die Schießbahn hinein. Und in den Kratern, die die Geschosse hinterlassen, findet nicht nur der Wolf hervorragende Deckung.

Viele seltene Tier- und Pflanzenarten sind auf der Schießbahn zu finden. Hier ist Birkwild heimisch, hier gibt es eine reiche Insektenwelt, was Grüntjens auch auf das Heidemanagement, das kontrollierte Abbrennen von Heideflächen, zurückführt. Allein 1218 Schmetterlingsarten wurden auf dem Gelände festgestellt. „Warum soll bei so vielen Rote-Liste-Arten nicht auch der Wolf da sein?“, fragt der Förster.

Von Joachim Gries