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Südheide Weihnachtsmann-Lüge: Unterlüßer Schule desillusioniert Kinder
Celler Land Südheide Weihnachtsmann-Lüge: Unterlüßer Schule desillusioniert Kinder
19:14 15.12.2017
Weihnachtsmann Quelle: Michael Schäfer
Unterlüß

UNTERLÜSS. Früher oder später ereilt diese Erkenntnis jeden. Wann der richtige Zeitpunkt ist, um seinen Kindern die Wahrheit über den Weihnachtsmann zu erzählen, entscheiden in der Regel die Eltern. Manchmal lässt es sich jedoch nicht verhindern, dass beispielsweise aufgeklärte Spielkameraden vorgreifen und die Weihnachtsmann-Mär als eben solche entlarven. An der Grundschule in Unterlüß hat nun eine Lehrkraft Drittklässler im Unterricht aufgeklärt – in den Augen einiger Eltern ein Unding.

"Ich finde es ganz schade und sehr traurig, dass den Kindern der Weihnachtszauber genommen wurde", sagt die Mutter einer achtjährigen Tochter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie sei "aus allen Wolken gefallen", als ihre Tochter am Montag nach der Schule vom Religionsunterricht erzählte. Dort wurde auf Arbeitsblättern, die der CZ vorliegen, der Nikolaus mit dem Weihnachtsmann verglichen. Unter anderem steht dort: "Nikolaus war ein Bischof. Er ist keine erfundene Figur, sondern er lebte wirklich." Und der Weihnachtsmann wird als "Märchenfigur" identifiziert, die "nicht wirklich" gelebt hat.

"Das ist doch nicht Aufgabe der Schule", ärgert sich die Mutter über die Taktlosigkeit der Unterlüßer Grundschule, die Kinder ohne Absprache mit den Eltern über den Weihnachtsmann aufzuklären. In einem Gespräch mit Schulleiterin Gabriele Kreuzer und der Religionslehrkraft sei auf den Lehrplan verwiesen worden, der die Weihnachtsgeschichte als Unterrichtsthema vorsieht. "Es wurden lediglich die historischen Figuren thematisiert", erläutert Kreuzer. Dass es den Weihnachtsmann nicht gebe, sei nicht vermittelt worden. "Da halten sich meine Kollegen und ich raus, das ist Aufgabe der Eltern."

Schon vor dieser Religionsstunde sei der Weihnachtmann in der Klasse Thema gewesen, erzählt die Unterlüßer Mutter: "Wisser und Nicht-Wisser haben diskutiert." Das bestätigt auch Kreuzer. Die Mutter sagt, sie habe dennoch versucht, den Weihnachtszauber solange wie möglich aufrecht zu erhalten – auch wegen ihrer jüngsten Tochter, die drei Jahre alt ist. "Es gibt Studien darüber, dass es wichtig für die Entwicklung der Kinder ist, an Übernatürliches zu glauben. Ich bin ein phantasievoller Mensch, das will ich auch für meine Kinder." Dennoch habe sie ihre beiden ältesten Kinder nie angelogen, sondern auf kritische Fragen hinsichtlich des Weihnachtsmannes mit einer Gegenfrage reagiert: "Wollt ihr denn an ihn glauben?"

Der zehnjährige Sohn und die achtjährige Tochter der Unterlüßerin haben sich nun verbündet: Für ihre kleine Schwester wollen sie den Glauben an den Weihnachtsmann aufrechterhalten.

Von Amelie Thiemann