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Südheide Wolfsberater: Keine Wildtierart rottet eine andere aus
Celler Land Südheide Wolfsberater: Keine Wildtierart rottet eine andere aus
18:33 03.02.2014
Im Herbst zeigte sich dieser Wolf auf dem Rheinmetallgelände bei Unterlüß. Quelle: Theo Grüntjens
Unterlüß

UNTERLÜSS. Die rare Vogelart hat mit dem Wolf nicht den ersten Feind, auch Fuchs oder Marder haben in der Vergangenheit hin und wieder ein Birkhuhn oder einen Birkhahn geholt. Grüntjens glaubt auch nicht, dass mit der Rückkehr der Wölfe die Tage von Fuchs oder Hase gezählt sind. "Keine Wildart rottet eine andere aus", sagt er.

Die Untersuchung von über 4000 Kotfunden von Wölfen in der Lausitz über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren hat ergeben, dass die Beutegreifer überwiegend von Reh- und Rotwild sowie von Wildschweinen leben. Sie machen danach knapp 95 Prozent der verzehrten Biomasse aus. Hasen und Kaninchen tragen zu 3,9 Prozent zum Speiseplan der Wölfe bei, Vögel ganze 0,02 Prozent. Haustiere – vor allem Schafe – füllen die Mägen der Wölfe zu 0,75 Prozent.

Die Wildbestände auf den Truppenübungsplätzen sind gut. Das ist ein Grund, dass Wölfe zuerst auf den militärischen Übungsplätzen anzutreffen sind. Ein noch wichtigerer Grund ist, dass die Truppenübungsplätze große, weitgehend menschenleere, Bereiche bilden, die nicht von Straßen durchschnitten werden, in denen sich Wald-, Heide- und Brachflächen abwechseln, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden.

Wolfsberater Helge John vermutet, dass die abwandernden Wölfe eine neue Heimat bevorzugen, die ähnliche Strukturen aufweist. Wie die Wolfsrisse auch im Celler Land zeigen, unternehmen die Wölfe von ihrem Kernterritorium aus weite Ausflüge ins Umland. Dass Wölfe wirklich große Touren unternehmen, bewies der mit einem Sender versehene Wolf Alan, der im Jahr 2009 innerhalb von acht Wochen über 1000 Kilometer zurücklegte.

Nicht jeder Wolf erreicht sein Ziel, das zeigen die tote Tiere an Straßen und Autobahnen, aber auch an Bahnstrecken. Dass im Spätsommer vergangenen Jahres ein Wolf bei Eschede einen Verkehrsunfall verursacht haben soll, machte im Landkreis die Runde. Die Polizei hat diesen Unfall nach eigenen Angaben aber nicht aufgenommen, "davon hätten wir gehört", sagte Polizeisprecher Guido Koch". Auch soll ein verletzter Wolf im vergangenen Jahr von einem Tierarzt in Hermannsburg behandelt worden sein. Nur weiß man in den beiden Tierarztpraxen in Hermannsburg nichts davon – die Rückkehr des Wolfs ist von hartnäckigen Gerüchten begleitet.

Von Joachim Gries