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Südheide Zwischen Erntelandschaft und „Altem Schäfer“
Celler Land Südheide Zwischen Erntelandschaft und „Altem Schäfer“
20:12 24.11.2010
Albert König: „Erntelandschaft im Ith“; Öl auf Leinwand, um 1925. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Unterlüß

UNTERLÜSS. Traditionell zeigt das Albert-König-Museum Unterlüß in den Wintermonaten eine Auswahl aus dem Werk seines Namensgebers. „Albert König – Ausgewählte Werke“ heißt daher auch die Ausstellung, die am Sonntag eröffnet worden ist. Museumsleiter Klaus Homann ist es erneut gelungen, eine spannende und sehenswerte Schau aus rund 75 Ölgemälden, Aquarellen, Gouachen und Holzschnitten – darunter einige Neuerwerbungen und zahlreiche bisher unveröffentlichte Arbeiten des Künstlers (1881-1944) – zusammenzustellen. Dabei fasziniert nicht nur die reiche Palette an Motiven und Techniken, sondern auch die an einigen Beispielen nachvollziehbare künstlerische Entwicklung Albert Königs. So stößt der Betrachter etwa auf eine fast fotorealistische Darstellung einer kleinen Wacholdergruppe aus den frühen Schaffensjahren, bei der sich König noch bemüht und angestrengt an die Vorlage hielt, während man bei dem später entstandenen und direkt daneben gehängten Gemälde „Alter Wacholder“ schon deutlich erkennt, wie frei und selbstsicher er da bereits mit dem Motiv und der Farbe umging. Seine Landschaftsdarstellungen und das damit einhergehende Einfangen von Wetter und Licht wurden zu Markenzeichen seiner Malerei.

Farbe diente ihm aber nicht nur als Ausdrucksmittel, sondern auch zur Variation, um eine Arbeit mal verhaltener oder expressiver zu machen, lauter oder leiser, wärmer oder spröder. Aber auch, um Balancen in der Bildkomposition herzustellen. Etwa bei seinem pointillistischen Stillleben „Feuerlilien“. Die individuell geprägten Pinselstriche weichen hier systematisch gemalten Tupfen, die akribisch nebeneinander gesetzt wurden und die Leinwand wie ein Netz bedecken. Die reinen Farben mischen sich in den Augen des Betrachters und erzielen optische Effekte, die zu Königs Zeiten noch weitgehend unbekannt waren. Bemerkenswert sind auch die Porträts, etwa das Ölbild „Alter Schäfer“: Königs Malvorgang erfasste dabei nicht nur den Augenblick. Seine behutsame und einfühlsame Arbeit scheint vielmehr wie ein Scanner den Lebensvorgängen zu folgen, die das Gesicht des Dargestellten geformt haben. Die Furchen, Falten und Verästelungen, aber auch die sprechenden Augen erzählen die Geschichte eines über Jahre in Wind und Wetter von der Natur geprägten Menschen.

●Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist im Albert-König-Museum bis zum 24. April, samstags und sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr zu sehen.

Von Rolf-Dieter Diehl