Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Südheide Zwischen Gänsehaut und Lebensfreude
Celler Land Südheide Zwischen Gänsehaut und Lebensfreude
13:29 27.11.2013
Anara Churikova und ihr Pianist Jewgeni Goldberg - begeisterten bei ihrem Konzert im „La Taverna“. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Hermannsburg

Churikova erwies sich als eine Sängerin, die Seltenheitswert besitzt in unserer heutigen glatt gebügelten Unterhaltungswelt. Und doch – oder gerade deshalb – war man „geplättet“ von der Art und Weise, wie sie sich zwischen Volksliedern, Romanzen und Filmmusiken von einem Gefühlsextrem ins andere sang. Mal sinnlich und verträumt, mal als funkensprühender Vulkan, immer aber mit glühender Leidenschaft.

Mit ihrer charismatischen Stimme wusste sie die Stimmungsbilder, die in Kombination mit der klanglichen Atmosphäre und Musikalität der russischen Sprache so vieles auszudrücken vermögen, intuitiv begreifbar zu malen. Und Goldberg sorgte unauffällig, aber den Gesang wirkungsvoll ergänzend für die musikalische Hintergrundkulisse. Churikova stützte sich dabei nicht nur auf Liedvorträge, bei denen „drei Minuten die Erde bebt“, wie es Édith Piaf einmal formuliert hat, sondern bevorzugte Interpretationen à la Juliette Grécos Definition, wonach ein Chanson „ein Gemälde des Lebens in drei Minuten“ ist. Ob sie die „mondbeglänzten Sommernächte in der Moskauer Vorstadt“ besang oder den Tau, der sich wie ein Perlengeschmeide auf das erwachende Land legt, oder den „Traum vom ewigen Frühling“ – Churikova wusste ihre warm timbrierte, voluminöse und ungemein ausdrucksstarke Stimme dabei ebenso wirkungsvoll einzusetzen wie Mimik und Gestik. Und ihre Augen als „Spiegel der Seele“ sangen quasi immer mit.

Von Rolf-Dieter Diehl