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Wietze 400 Mastställe durch Wietzer Schlachthof?
Celler Land Wietze 400 Mastställe durch Wietzer Schlachthof?
20:28 15.02.2010
Von Simon Ziegler
Wietze

Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Zahlen zur Kapazität des in Wietze vom Rothkötter-Konzern geplanten Schlachthofes schlagen hohe Wellen. Gestern hat Rothkötter-Geschäftsführer Wilfried Fleming gegenüber der CZ zugegeben, dass 150 Mastställe nicht ausreichen, um den Schlachthof zu beliefern, wenn dieser seine Endausbaustufe erreicht hat. Wie viele Mastställe dann gebaut werden müssten, ließ Fleming offen. „Es ist gar nicht klar, ob die zweite Schlachtlinie kommt. Das entscheidet allein der Markt“, sagte Fleming.

Das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg hatte am Mittwoch Zahlen genannt, die deutlich über einer Million Hähnchen pro Woche liegen, die in einer Beschlussvorlage der Wietzer Gemeindeverwaltung gestanden hatten. Bei zwei Schlachtlinien im Zwei-Schicht-System ist jetzt von knapp 2,6 Millionen Hähnchen pro Woche die Rede.

Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt sich eine Zahl von etwa 135 Millionen Tiere. Bislang hat Rothkötter angegeben, mit 100 bis 150 Landwirten als Vertragspartner zusammenzuarbeiten. Die Bauern sollen in einem Umkreis von rund 100 Kilometern um Wietze die Mast der Hähnchen übernehmen. Der Celler Landvolk-Geschäftsführer Martin Albers, der die Ansiedlung befürwortet, rechnet vor, dass man „mit 150 Mastställen definitiv nicht hinkommt“. Albers: „Ein Landwirt mit einem Stall von 40000 Hähnchen hat sieben bis acht Durchgänge im Jahr. Dann kommt er auf eine jährliche Zahl von etwa 300000 Hähnchen. Multipliziert mit 150 Landwirten ergibt sich eine Summe von ungefähr 45 Millionen.“ Selbst eine Verdoppelung auf 300 Mastställe würde „nur“ zu rund 90 Millionen Tieren führen.

Die Bürgerinitiative für den Erhalt des Aller-Leine-Tals rechnet mit mehr als 400 Ställen. Vorstandsmitglied Gerd Helmers kritisierte, dass bislang jeder von 150 Mastställen ausgegangen sei. „Auch die Planer haben im Ausschuss am Donnerstag diese Zahlen nochmals verteidigt, was mir völlig unverständlich ist. Da ist etwas schief gelaufen, was jetzt aufgeklärt werden muss.“

Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann räumte gestern ein, dass die Zahl von 400 Mastställen richtig sei. Rothkötter habe im September von 100 bis 150 Mastställen nur für die Startphase des Schlachthofes gesprochen. „Ich kann die Kritik nachvollziehen. Man hätte vielleicht deutlicher darauf hinweisen sollen, dass eine Vervierfachung möglich ist“, so Klußmann. Unterdessen hat die Bürgerinitiative vor der heutigen Sitzung des Infrastrukturausschusses (19 Uhr) zu weiteren Protesten aufgerufen. Ab 18.30 Uhr findet vor der Aula der GHRS erneut eine Demonstration statt. Im Ausschuss sollen die Weichen für die Änderung des Flächennutzungsplanes und für die Aufstellung eines Bebauungsplanes gestellt werden.