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Wietze 7000 Menschen demonstrieren in Wietze gegen Agrarindustrie
Celler Land Wietze 7000 Menschen demonstrieren in Wietze gegen Agrarindustrie
09:59 02.09.2013
Von Simon Ziegler
Die Demonstranten zogen in Wietze über die B214 zum Schlachthof. Dort wurde eine Menschenkette gebildet.  Quelle: Tobias Kleinschmidt
Wietze

In Wietze haben tausende Demonstranten eine Menschenkette um den umstrittenen Schlachthof der Celler Land Frischgeflügel GmbH gebildet. Mitglieder der BI Wietze schlossen um 15.23 Uhr die Lücke vor dem Haupteingang des Schlachthofes. „Wir sind überrascht, dass so viele Menschen gekommen sind. Das ist ein großer Erfolg, weil wir uns von einer gesellschaftlichen Entwicklung getragen fühlen“, sagte die BI-Vorsitzende Uschi Helmers. Zu dem Protest hatte das Aktionsbündnis „Wir haben es satt“ bundesweit aufgerufen.

Die Demonstranten hatten sich zunächst auf dem Droschkenplatz hinter dem Rathaus zu einer Kundgebung versammelt. Von dort zogen sie über die B214 zum Schlachthofgelände. Nach Angaben des Celler Polizeisprechers Guido Koch blieben die Proteste zu jeder Zeit friedlich. Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen.

„Wir haben die Agrarindustrie satt. Wir wollen Essen auf unserem Teller, dem wir vertrauen können, und kein Fleisch von Tieren, die mit Antibiotika vollgepumpt, mit Gensoja gefüttert und in Megaställen zusammengepfercht werden“, sagte Christoph Bautz vom Kampagnennetzwerk „Campact“.

Unterstützung erhielten die Protestierenden von der Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth, die vor der Demonstration an einem Bauernfrühstück teilnahm. Auch Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) war vor Ort. „Tierschutz hat in der Gesellschaft eine immer größere Bedeutung. Den Leuten ist es nicht egal, wie mit Lebewesen umgegangen wird“, sagte Meyer der CZ.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, forderte während der Abschlusskundgebung eine neue Agrarpolitik für Deutschland. „Immer mehr Tiere in immer größeren Ställen – das ist ein Irrweg. Neue Megaställe bedeuten millionenfaches Tierleid und als Folge eine zerstörte Umwelt mit nitratbelasteten, sinkenden Grundwasserpegeln“, so Schröder. Die Behebung der Umweltschäden werde dann auf die Allgemeinheit umgelegt, die zahle nicht der Verursacher. „Auch deshalb ist Fleisch viel zu billig“, sagte er.

Wegen der Demonstration wurde die B214 in Wietze für mehrere Stunden gesperrt. Der Verkehr wurde über Winsen umgeleitet, wo allerdings die Hauptkreuzung wegen Asphaltierungsarbeiten nicht befahrbar war. Dennoch blieb das befürchtete Chaos in Winsen aus. Bürger berichteten, dass es keine Staus gegeben habe. „Es war entspannter als gedacht“, sagte Polizeisprecher Koch.