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Wietze Akustische Probleme überschatten vielversprechendes Konzert
Celler Land Wietze Akustische Probleme überschatten vielversprechendes Konzert
17:03 28.03.2017
Konnten ihr Können nicht wirklich unter Beweis stellen: Die Hannover Harmonists und Lutz Krajenski (kleines Foto) spielten am Sonntag in der Wietzer St. Michael Kirche. Quelle: Michael Schäfer
Wietze

Das Problem dieses Konzertes war es, dass Grundlegendes nicht bedacht wurde. Und zwar die Binsenweisheit, dass es unumgänglich ist, alle Mitwirkenden elektroakustisch zu verstärken, wenn ein einziger hörbar verstärkt wird. Und das war hier der Fall, denn eine Hammondorgel wird nun einmal naturgemäß mittels einer speziellen Form der elektrischen Klangerzeugung und Verstärkung gespielt. Und wenn ein Hammondorgelklang wirken soll, dann darf man auch nicht im leisesten Bereich spielen, sondern muss eben gerade die dynamischen und registriertechnischen Möglichkeiten ausnutzen.

Wenn sich der Hörer aber erst einmal in diese verstärkte Art des Hammondorgelklangs hineingehört hat, so klingen danach, wenn man nicht gerade in einer Kirche mit ganz viel Hall ist, selbst die geschultesten solistischen Chorsänger dünn. Und genau das war der Klangeindruck des ganzen Abends. Das war alleine schon deshalb schade, weil so weder Hammondorgelspieler noch A-cappella-Ensemble ihre jeweilige Wirkung ausschöpfen konnten.

In gewisser Weise scheinen die Musiker das auch gespürt zu haben: Um dem konkreten Klangvergleich zwischen Hammondorgel und A-cappella-Gesang auszuweichen, suchten die Hannover Harmonists mehrfach das Weite und sangen mal von oben oder hinten, aber auch mal gehend von der Seite. Gebracht hat das Nichts. Jedes Mal beim Wiedereinsatz der Stimmen konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass da fünf Sänger vergeblich gegen den Hammondorgelsound ansingen. Und das, obwohl sich Krajenski sehr zurückgehalten hat in seinem Spiel. Das galt nicht nur für die Lautstärke, sondern auch für den Umfang seines Spiels. Oftmals war das so kurz, dass man glaubte, er würde jetzt gleich wieder loslegen. Aber es folgte dann meist ein viel zu schneller Rückzug Krajenskis.

Kaum war Krajenski einmal ins Swingen gekommen, merkte man, welches Potenzial an diesem Abend verschenkt wurde. Einerseits hätte man generell gerne mehr vom Hammondorgelsound hören wollen. Andererseits wäre auch gerade der Zusammenklang von Hammondorgel und A-cappella-Ensemble reizvoll gewesen. So standen Gesang und Hammondorgelspiel fast nur neben einander.

Unglücklicherweise gab es zusätzlich noch an zwei Stellen der Aufführung Texte vom Band dazu. Auch das war wieder so laut, dass die Hannover Harmonists etwas armselig wirkten. Ganz offensichtlich stammte das Konzept dieser Veranstaltung von jemandem, der keine Ahnung hat, wie man wirkungsvoll, aber deshalb noch lange nicht anbiedernd heutigen Jazz in Kontrast stellt mit klassischen Tönen. Ein ausgesprochen interessanter, aber kein besonders gelungener Abend.

Von Reinald Hanke