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Wietze Beizjagd in Jeversen: Nur der hungrige Vogel jagt
Celler Land Wietze Beizjagd in Jeversen: Nur der hungrige Vogel jagt
19:22 03.11.2014
Christian Petzel aus Mölln mit Steinadler Kira bei der Jagd im Wieckenberger Bruch. An ihren Beinen, den "Ständern", tragen die Greifvögel Glöckchen, damit der Falkner sie hören, wenn sie im Geäst eines Baumes sitzen. Mit einem Sander am Bein lassen sich die Vögel orten. Frettchen werden eingesetzt, um Kaninchen aus ihrem Bau zu treiben. Quelle: Anne Friesenborg (4)
Jeversen

„Manchmal pickt sie am Ohr", sagt Christian Petzel. Sie hat einen imposanten Schnabel, sitzt auf seinem großen Lederhandschuh und wartet auf ihren Einsatz. Sie, das ist Kira, ein anderthalb Jahre altes Steinadler-Weib, das Falkner Petzel aus Lehmrade bei Mölln auf die Beizjagd am Samstag im Wieckenberger Bruch vorbereitet hat. Dazu hat er sie auf schmale Kost gesetzt, Kira wiegt 3800 Gramm und ist von ihrem Höchstgewicht von 5000 Gramm weit entfernt. „Es geht alles über das Futter", sagt Petzel.

Hat der Vogel keinen Hunger, geht gar nichts. „Die Vögel jagen nur in Jagdkondition, gestern hat Kira nichts bekommen", sagt Petzel. Er hat es schon erlebt, dass einer seiner Vögel im Baum saß und keinen Anlass sah, den zu verlassen. Drei Tage hat das gedauert, abends fuhr er aus Dithmarschen nach Hause, am nächsten Morgen, noch bevor es hell wurde, stand er wieder unter dem Baum. Nachts fliegen die Vögel nicht. Irgendwann war bei seinem Habicht der Hunger so groß, dass der Vogel auf seine Hand kam.

1987 machte der gelernte Forstwirt seinen Jagdschein, er ging normal zur Jagd – dann wollte er mal etwas anderes machen. Vor fünf Jahren wandte er sich der Falknerei zu, heute hat der 48-Jährige neben Kira noch ein Zuchtpaar Sakafalken und Frettchen, mit denen bei der Jagd die Kaninchen aus ihrem Bau getrieben werden. Zwei bis drei Stunden pro Tag widmet er sich seinen Greifvögeln. Er trägt sie auf der Hand spazieren, denn sie müssen mit allen Umwelteinflüssen wie Straßenverkehr oder Treckergeräuschen klarkommen. Er lässt sie Appell fliegen, dann müssen sie auf seine Hand zurückkehren.

„Es kostet viel Zeit, aber es macht viel Spaß", sagt Petzold. An den Wochenenden trifft man sich mit befreundeten Falknern, meistens ist das mit Fahrerei verbunden. An diesem Wochenende nahm der Möllner an der Bundesbeize in Hannover teil. Die Ordenstagung des Ordens Deutscher Falkoniere fand in Hannover statt, nach dem Beizappell am Samstagvormittag ging es mit den insgesamt 85 Greifvögeln in 65 Reviere in der Region Hannover und im Celler Westkreis.

Im Wieckenberger Bruch jagten neben Kira noch Steppenadler Dino und Habichtsadler Carlos. Das heißt, sie jagten eigentlich nicht, denn so sehr sich Griffon-Hündin Aika neben den Jägern auch abmühte, auf abgeernteten Rapsfeldern oder auf Wiesen einen Hasen aufzustöbern, es ließ sich einfach keiner blicken.

Anders sah es im Revier bei Jeversen aus, wo sieben Bussarde jagten. Mit Frettchen wurden Kaninchen aus dem Bau „gedrückt". Ein Kaninchen wurde geschlagen, etwa zehn entkamen. „Hier jagt ein freilebender Habicht", sagte Jörg Plesse, Hegeringleiter in Winsen, da hätten sich die Kaninchen wohl eine gute Fluchtstrategie zugelegt.

Seit April hat Silke Loster ihren Harris Hawk oder Wüstenbussard Dalvin. 14 Monate ist er jetzt alt, vor zwei Wochen wurde er erstmals bei der Jagd eingesetzt. 580 Gramm wog er am Morgen, genau das Jagdgewicht. Dalvin ist ein Terzel, ein männliches Tier, sie sind etwa ein Drittel kleiner als ein Weib und leichter.

Loserts Mann war Jäger und Falkner. Als er 2011 starb, fehlte ihr die Jagd. Sie machte selber den Jagdschein und anschließend den Falknerschein. Die Falknerprüfung stehe der zum Jagdschein in nichts nach, nur statt des Schießwesens gehe es um Greifvogelkunde, sagte die Hessin.

Wüstenbussarde sind Grifftöter. Sie packen mit den spitzen Krallen den Kopf des Kaninchens und halten es fest. Dann liegt es am Falkner, das Tier zu töten. Dazu gibt es ein spezielles Messer, das nur eine scharfe Spitze hat, die Schneide ist stumpf, um den Vogel nicht zu verletzen. Dann wird das Tier abgedeckt, der Vogel erhält eine kleine Belohnung. Würde er sich satt fressen, wäre es aus mit der Jagd.

Von Joachim Gries