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Wietze "Beste Zeit": Hansi Bidders Jahre im alten Wietzer Rathaus
Celler Land Wietze "Beste Zeit": Hansi Bidders Jahre im alten Wietzer Rathaus
16:50 29.12.2016
Von Simon Ziegler
Wietze

In Leverkusen hat Hans Georg Bidder von den Plänen Wind bekommen. Er verbindet besondere Erinnerungen mit dem alten Rathaus, das so marode ist, dass in einigen Jahren sogar der Abriss im Raum steht. Bidder hat im Rathaus gewohnt. Von 1956 bis 1962 lebte die Familie Bidder im zweiten Stockwerk. Das Wietzer Rathaus, Baujahr 1930/31, war für damalige Verhältnisse ein modernes Bauwerk, erinnert sich der heute 75-Jährige. „Wir fühlten uns wie im Paradies: WC statt Plumpsklosett, Zentralheizung statt Kohleofen, fließendes Wasser statt Grundwasser vom Hof, Badewanne statt Waschschüssel.“

Die Bidders kamen 1945 als Flüchtlinge nach Wietze. Hans Georg, Hansi genannt, war das jüngste von fünf Kindern. In den 50er und 60er Jahren war es üblich, dass Bedienstete der Gemeinde im Rathaus wohnten. In dem Haus war eine Menge los: Im zweiten Stock lebte links Gemeindeschwester Helene und rechts der Polizist Katschmarek. Im ersten Stockwerk, wo heute Bürgermeister Wolfgang Klußmann sein Büro hat, lebte Gemeindedirektor Richard Neumann mit Familie. Neumann war seit Mitte der 50er Jahre Verwaltungschef in Wietze. Nebendran wohnte der ehemalige Gemeindedirektor Maushake. Im Erdgeschoss war das Gemeindebüro, im Untergeschoss hatte Hausmeister Schwonke seine Wohnung.

Und wie kamen die Bidders in das Haus? „Eines Tages wurde der Polizist überraschend nach Bergen versetzt. In der Gemeindeverwaltung wusste man das natürlich zuerst. So auch mein Bruder Ernst, der eine Lehre im Rathaus absolviert hatte. Er bat den Gemeindedirektor, die Wohnung für die Familie Bidder zu reservieren. Der sagte spontan zu, gab aber folgenden Ratschlag: ‚Erledigt den Einzug möglichst schnell und leise. Es muss alles unter Dach und Fach sein, bevor der Wohnungsausschuss wieder tagt‘“, berichtet Hans Georg Bidder.

Die Bidders waren gern gesehene Mieter. Im Rathaus wurde zusammen Klavier gespielt. Die Neumann-Brüder spielten zusammen mit Hansis Brüdern beim TSV Feldhandball, eine große Nummer damals. Ihn selbst zog es zur Leichtathletik und zum MTV Celle. Hinter dem Wietzer Rathaus übte er Kugelstoßen. Vor allem aber war er Sprinter. Für 100 Meter brauchte er 11,5 Sekunden.

„Hansi war Wietzes schnellster Mann“, erinnert sich Ortschronist Hans-Hermann Pape an Hansi Bidder. Hin und wieder liefen sich die beiden jungen Männer über den Weg, einmal im Gasthaus Maul, erinnert sich Pape.

Im Oktober 1961 wurde Hansi Bidder zur Marine eingezogen. „Als ich entlassen wurde, war meine Mutter schon zu meiner Schwester gezogen.“ Im Mai 1962 war die Bidder-Ära im Rathaus vorbei. Die sechs Jahre dort waren „die beste Zeit meines Lebens“, sagt Bidder heute. Bewohnt wurde der Verwaltungssitz weiter von den Mitarbeitern der Verwaltung, vermutlich bis in die 70er Jahre hinein waren im Rathaus auch Wohnungen untergebracht.

Heute gilt das Rathaus als völlig veraltet. Dass die Gemeinde einen Neubau braucht, ist unstrittig. Mit dem alten Rathaus verbinden viele Menschen gleichwohl ganz persönliche Erinnerungen.