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Wietze Bürger wollen helfen: „You are welcome in Wietze“
Celler Land Wietze Bürger wollen helfen: „You are welcome in Wietze“
18:12 01.05.2015
Voller Saal in Wietze: Regierungsrat Thomas Walter, Ulrike Brinken von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe (beide Landkreis Celle), die neue Integrationsbeauftragte der Gemeinde Wietze, Afshan Ahmed, und Bürgermeister Wolfgang Klußmann (von links) informierten über Möglichkeiten zur Unterstützung der Integration von Flüchtlingen. Quelle: Lothar H. Bluhm
Wietze

„Wir sind auf einem guten Weg – ich find das ganz toll“, fasste ein Zuhörer den ersten Informationsabend zur Situation der Flüchtlinge am Mittwoch in Wietze zusammen. Denn die Bereitschaft, den insgesamt 54 Flüchtlingen zu helfen, war deutlich spürbar.

Bis auf den letzten Stuhl war der Saal gefüllt, und das Interesse, sich ehrenamtlich zu engagieren, wurde klar formuliert: „You are welcome in Wietze“, wandte sich Bürgermeister Wolfgang Klußmann direkt an die Flüchtlinge.

Als ersten Schritt könne man Kennenlernnachmittage anbieten und auf die Flüchtlinge zugehen, fanden viele Zuhörer. „Wir müssen die Sprachbarriere beseitigen und Deutschunterricht anbieten“, und man könne mit Handwerksbetrieben in Kontakt kommen, um Ausbildungsplätze zu akquirieren. – Vorschläge gab es genug, die Bereitschaft zur Hilfe wurde klar signalisiert und formuliert.

Spontan haben sich 16 Wietzer eingetragen, um bei der Integrationsarbeit mitzumachen. „Und da kommen noch mehr“, ist sich Klußmann sicher, denn nach dem Infotreffen führte er noch zahlreiche Einzelgespräche: „Das sind 16 plus!“

Als zuständiger Dezernent beim Landkreis Celle stellte Thomas Walter die unterschiedlichen Zuständigkeiten im Ausländerrecht vor. „Alle Ebenen sind mit im Boot – von der Europäischen Union bis zur Gemeinde.“ Momentan seien 797 Asylbewerber dem Landkreis zugewiesen worden. Er rechnet aber mit weiteren Flüchtlingen in diesem Jahr. Die Quote wird voraussichtlich auf 1200 bis 1400 festgelegt werden, vermutet Walter. Dabei solle das Konzept der dezentralen Unterbringung durchgehalten werden.

Darum appellierte Bürgermeister Klußmann an die Wietzer, leerstehenden Wohnraum anzubieten, damit die Flüchtlinge auch als Nachbarn integriert werden können: „Wir können davon ausgehen, dass die Flüchtlinge länger hier bleiben.“ Deshalb sei es auch wichtig, dass sich die Bevölkerung ehrenamtlich engagiert und bei der Flüchtlingsarbeit hilft. Die Koordination der einzelnen Aktivitäten werde künftig die Integrationsbeauftrage übernehmen. Die Gemeinde habe nach einem Hilferuf der somalischen Flüchtlinge entschieden, eine Halbtagsstelle zu schaffen.

Die Integrationsbeauftragte der Gemeinden Winsen und Hambühren, Karina Ibrahimova, stellte unterdessen am Mittwoch in Ovelgönne ihr Konzept „Hand in Hand“ vor, das sie seit zwei Jahren in Winsen realisiert. Dazu gehört auch, dass die Asylbewerber Informationen über Landeskunde, Religion, Sitten und Gebräuche im Celler Land und die hiesigen Gläubigen Einblicke in den Islam und Kulturen der Herkunftsländer bekommen. Das Modell sei gut auf Hambühren übertragbar, hieß es während der Versammlung, denn so könne das Zusammenleben in der Gemeinde weiter verbessert werden. Es sei eine gute Brücke zwischen Einheimischen und Migranten. „Das bedeutet auch gegenseitige Offenheit und gegenseitigen Respekt – aber ich habe bisher nicht erlebt, dass es nicht funktioniert“, unterstrich Ibrahimova.

Bürgermeister Thomas Herbst betonte, dass diese Auftaktveranstaltung gut für die zukünftige Zusammenarbeit sei: „Die Koordination der einzelnen Aktivitäten der Ehrenamtlichen ist wichtig.“

Von Lothar H. Bluhm