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Wietze Bund trennt sich von versteckten Bunkern bei Wietze
Celler Land Wietze Bund trennt sich von versteckten Bunkern bei Wietze
20:04 13.10.2015
Relikt aus dem Kalten Krieg: Das Materialaußenlager im Kiefernwald zwischen Wietze und Ovelgönne steht zum Verkauf. Quelle: Anne Friesenborg
Wietze

Hier ließ sich das Militär nie in die Karten schauen. Alles, was hinter dem 2,50 Meter hohen Zaun passierte, war geheim. Bis heute gibt es für das sogenannte Materialaußenlager weder einen Eintrag in einen Flächennutzungsplan noch einen Bebauungsplan. Die Anlage liegt versteckt im Kiefernwald zwischen Wietze und Ovelgönne. Sie gilt als Relikt aus dem Kalten Krieg, ist aber schon 2007 von der Bundeswehr verlassen worden. Jetzt sucht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) einen neuen Eigentümer für das verwaiste Depot.

17 große Munitionsbunker, die unter Erdwällen und Bäumen versteckt sind, sowie neun Kraftstofflagerhäuser bilden den Kern der Anlage auf dem zweigeteilten Gelände. Darauf befinden sich auch ein Betriebs- und Wachgebäude sowie ein Lagerbüro und eine Fahrzeughalle. Die Liegenschaft ist insgesamt 144.844 Quadratmeter groß. Die Nutzfläche wird von der Bima mit etwa 5900 Quadratmeter angegeben. Die Verkäufer suchen nach einem neuen Nutzer, der bereit ist, mindestens 400.000 Euro für den gesamten Komplex zu zahlen.

Möglicherweise profitiert auch das Land Niedersachsen vom Verkauf der geheimen Bunker. Der Grund: Das Flurstück zwischen den beiden bundeseigenen Teilen der Anlage gehört dem Land. Diese 54.935 Quadratmeter große Parzelle war bis 2007 an die Bundeswehr verpachtet.

Von Ende 1964 bis 1971 wurde das ehemalige Außenlager von den britischen Streitkräften betrieben. Anschließend wurde es von der Bundeswehr genutzt – als Ölabfüllanlage, zur Bevorratung von Munition aller Art und als Treibstofflager. Die zum Teil in die Erde versenkten Tanks wie auch die Abfüllanlagen sind bereits 2010 demontiert worden.

Nach Angaben der Bima sind derzeit sechs Betriebsstofflagerhallen und 16 Munitionsbunker vermietet. Mehrere Handwerksbetriebe aus der näheren Umgebung haben mit der zuständigen Bima-Dienststelle in Magdeburg Pachtverträge abgeschlossen und nutzen zum Beispiel die bis zu 210 Quadratmeter großen Bunker als Lager oder Hallen zum Trocknen von Holz.

Seit etwa fünf Jahren bemüht sich der Bund, im Zusammenwirken mit dem Landkreis Celle und den Gemeinden Hambühren und Wietze eine dauerhafte zivile Verwendung für die Anlage zu sichern. So wurde schon vor mehreren Jahren ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren auf den Weg gebracht. Doch das Echo war eher bescheiden. Vielleicht lag es daran, dass nicht klar war, ob das Erdreich saniert werden muss. Jetzt liegt ein Altlastengutachten vor. Es bescheinigt dem aktuellen und künftigen Eigentümer, dass es keine Kontamination des Untergrundes gibt und auch kein „Kampfmittelverdacht“ besteht. Mit anderen Worten, das Militär hat offenbar ein picobello sauberes Gelände zurückgelassen. Jedenfalls gebe es „keinen weiteren Handlungsbedarf“, sagt die Bima.

Fragt man die beiden betroffenen Kommunen, wie sie sich die Zukunft des Depots vorstellen, so heißt es in Wietze, man sei nur für die Zufahrten zuständig, das eigentliche Terrain befinde sich auf Hambührener Gebiet. Dort denkt man im Rathaus darüber nach, die Flächen für alternative Energieerzeugung vorzusehen. Doch ob mitten im Wald Windkraftanlagen zwischen die Bunker gepflanzt werden dürfen, ist genauso fraglich wie eine erfolgversprechende Installation von Photovoltaikflächen unter den mächtigen Kiefern. „Aber womöglich haben die potenziellen Investoren ja ganz andere Ideen“, heißt es unisono und ein bisschen ratlos bei der Bima und den Kommunalpolitikern.

Von Klaus von der Brelie