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Wietze Celler Amtsgericht will Brandserie in Wietze aufklären
Celler Land Wietze Celler Amtsgericht will Brandserie in Wietze aufklären
16:56 25.06.2012
Wietze

Angeklagt ist ein Mann, gegen den bereits vor drei Jahren wegen zahlreicher Brandstiftungen ermittelt worden war. Seinerzeit soll unter anderem auch das Fahrzeug einer damaligen Ex-Freundin des Angeklagten angezündet worden sein. Das Verfahren wurde jedoch aus Mangel an Beweisen wieder eingestellt.

Dem Beschuldigten wird jetzt zur Last gelegt, im Zeitraum von Mai bis Oktober 2010 durch Einsatz von Brandbeschleunigern mehrere Autos angesteckt zu haben. Laut Anklagesatz sollen den Taten sowohl Ausländerfeindlichkeit als auch Beziehungsprobleme zu Grunde liegen. So soll zum Beispiel in einem der Fälle nachts ein Lieferwagen ausländischer Nutzer und eine nahegelegene Garage in Brand gesetzt und teilweise mit ausländerfeindlichen Parolen beschmiert worden sein. Zugleich habe es im Nahbereich mehrere Sachbeschädigungen und vorangegangene Manipulationen an Bewegungsmeldern gegeben, so ein ermittelnder Beamter im Zeugenstand.

In einem anderen Fall im Juni sollen gegen zwei Uhr nachts gleich drei Autos auf einem Parkplatz gebrannt haben. Zwei davon wurden durch das Feuer komplett zerstört. Im August war es zu Bränden an zwei auf einer Hauptstraße abgestellten Fahrzeugen gekommen. Drei zufällig vorbeikommende Feuerwehrleute konnten die Brände ersticken. Auch Ende Oktober 2010 soll es einen Vorfall gegeben haben. Laut Zeugenaussage kam es wegen nächtlicher Ruhestörung zum Streit zwischen dem Beschuldigten und seiner Nachbarin. Kurz darauf ging ihr Auto in Flammen auf und rollte laut Zeugendarstellung sogar vom Standort. Unmittelbar vor dem Brand soll der Beschuldigte jedoch dabei gesehen worden sein, wie er mit einem Bekannten dessen eigenes, daneben abgestelltes Fahrzeug vom Parkplatz wegschob.

Die Brandlegungen seien immer auf die gleiche Weise vollzogen worden, schilderte ein Ermittler. Ein technischer Defekt könne definitiv ausgeschlossen werden. Es seien Reste von Grillanzündern an mehreren Tatorten gefunden worden. Brandausbruchsstelle seien immer die Reifen gewesen, wo die Brandbeschleuniger jeweils abgelegt wurden. Die stärkste Brandlast sei dann vom Radkasten ausgegangen, von wo die Flammen jeweils sehr schnell ins Innere der Fahrzeuge übergriffen, hieß es weiter.

Der Angeklagte gab zu den Vorwürfen selbst keine Stellungnahme ab. Dafür gab es aber jede Menge Zeugen. Während eine der Ex-Freundinnen des Beschuldigten zu dessen Lasten aussagte und stellenweise Detailwissen zu bestimmten Abläufen zu Protokoll gab, sagten diverse Freunde und Angehörige des Beklagten zu dessen Gunsten aus. Demnach war er zumindest an zwei der besagten Tattage zunächst zu Grill- beziehungsweise Einweihungspartys eingeladen, wo man „die ganze Zeit zusammen gewesen sei“. Von einer Täterschaft als Brandstifter könne keine Rede sein. Vielmehr sei der Beschuldigte Opfer übelster Nachrede. Andere, unmittelbar benachbart wohnende Freunde des Beklagten wollen von den Bränden nichts mitbekommen haben.

Weitere Zeugenanhörungen folgen in der übernächsten Woche. (pra)

Von Anke Prause