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Wietze Celler CDU für mehr Tierschutz
Celler Land Wietze Celler CDU für mehr Tierschutz
16:17 16.12.2011
Wietze

„Wir stehen an einem Wendepunkt in der Fleischerzeugung. Deshalb wollen wir der Parteimeinung eine neue Richtung geben“, sagt Hellmut Thiem vom Wietzer Ortsverband der CDU und meint die Haltung seiner Parteifreunde zu den Haltungsbedingungen von Kühen, Schweinen, Hühnern. Deshalb beantragte der CDU-Ortsverband Wietze beim CDU-Kreisparteitag in der vergangenen Woche, dass der Kreisverband sich für die Umsetzung des Tierschutzplans des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Gert Lindemann einsetzen soll. „Wir haben uns viel mit dem Schlachthof in Wietze beschäftigt“, begründet Thiem den Antrag, „das brachte uns zum Nachdenken.“ Er stehe zu dem Schlachthof, aus bekannten Gründen, aber: „Dazu gehört auch die Verantwortung für das, was dahinter steckt.“

Lindemanns Tierschutzplan, veröffentlicht im April 2011, sieht vor, in den kommenden Jahren in Pilotprojekten die Haltungsbedingungen von Tieren zu verbessern. Ställe sollen angenehmer gestaltet werden, zum Beispiel das Klima oder die Böden. Auch auf das Kürzen von Schnäbeln und andere schmerzhafte Eingriffe soll verzichtet werden, außerdem sanfter mit den Tieren umgegangen werden, zum Beispiel beim Transport – Fernsehbilder von malträtierten Küken in Stapelkisten schockten vor einigen Wochen das ganze Land. Dafür wurden Konzepte erarbeitet, von 2012 an sollen sie in Pilotbetrieben ausprobiert, später flächendeckend umgesetzt werden.

„Wer Landwirtschaft mit Passion betrieben hat, der lebte auch mit seinen Tieren. Und er war erst zufrieden, wenn es auch denen gut ging“, sagte Ernst-Ingolf Angermann beim Sonderparteitag der Celler Kreis-CDU. Der Landwirt und neue stellvertretende Verbands-Vorsitzende wandte sich mit diesen Worten gegen „einige schwarze Schafe“, deren Massentierhaltung geeignet sei, einen ganzen Berufsstand in Verruf zu bringen. Die Folge laut Angermann: „Es sinkt die Akzeptanz und Zustimmung für die wirtschaftlich notwendigen Bestandsgrößen in der Tierhaltung.“ Deshalb beschloss der Verband, sich für die zeitnahe Umsetzung des Tierschutzplanes stark zu machen – mit drei Gegenstimmen und zwölf Enthaltungen aus 99 Stimmberechtigten.

Eine grüne Wende für die CDU? „Nein“, sagt Rolf Meyer (SPD). Dem Kreis- und Landtagsabgeordneten sind Lindemanns Pläne zu langfristig ausgelegt. Außerdem kritisiert er, dass die CDU Landwirten weiterhin ein unbeschränktes privilegiertes Bauen ermöglichen will. Die SPD fordert mehr Mitspracherecht für die Kommunen. Annegret Pfützner (Grüne) lobt den Vorstoß der CDU, „aber das ist nur ein erster Schritt. Das reicht nicht.“ Die Kreis-CDU habe hier nur auf die Kommunalwahl reagiert und müsse sich nun in den Gemeinden entsprechend verhalten: „Aus Tierschutzgründen wurde noch kein Stall nicht genehmigt.“

Von Isabell Prophet