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Wietze Ein besonderer Orgelabend mit Axel LaDeur in Wietze
Celler Land Wietze Ein besonderer Orgelabend mit Axel LaDeur in Wietze
12:16 20.07.2017
Axel Ladeur spielte in der Kirche St. Michael in Wietze zum Thema „Ich habe kein Netz...“. Quelle: Oliver Knoblich
Wietze

Entweder stellt er ein Programm zusammen, das besonders unterhaltende, fast schon populäre Elemente der Orgelmusik in den Konzertablauf integriert oder er moderiert das Konzert dermaßen unterhaltsam, dass man alleine schon deshalb kommen könnte.

LaDeur ist eine bemerkenswerte Doppelbegabung, die unter Organisten eine Seltenheit darstellt. Wenn er moderiert, dann meint man einen fernseherprobten Entertainer vor sich zu haben, der zudem noch über erstaunliche schauspielerische Qualitäten verfügt, die heutzutage in den Massenmedien kaum mehr gefragt zu sein scheinen. LaDeurs letzter Auftritt in der von ihm initiierten Reihe der Feierabendmusiken in der Wietzer Kirche St.Michael zugunsten einer neuen Orgel für die Stechinellikapelle in Wieckenberg stand unter dem Motto „Ich hab kein Netz“. Er begann wie einst Hans-Joachim Kulenkampff mit einem Solosketch. Da steht er am Pult und fummelt sichtbar auf seinem Handy herum, das aber nicht so will wie er: Er hat eben „kein Netz“. Daraus entwickelte LaDeur eine einstündige, durchaus inhaltsreiche Infotainmentshow mit musikalischen Einlagen, in der es darum ging, wie man zu Zeiten Johann Sebastian Bachs und heute an Informationen über Musik in fremden Ländern gekommen ist und kommt. Einstens musste man tagelange beschwerliche Reisen auf sich nehmen, heute ist die Musik im Netz verfügbar. Außer wenn man „kein Netz“ hat.

Ausgangspunkt von LaDeurs Orgel-Infotainmentabend war die Lehrzeit Bachs, dessen Reisen nach Lüneburg und Lübeck zu den Orgelgrößen seiner Zeit: Georg Böhm und Dietrich Buxtehude. Da war es nur folgerichtig, Musik dieser drei Komponisten zu spielen. Ein Stück von Böhm, in dem dessen Hang zu umfangreicher Verzierungskunst erkennbar wurde und eine Toccata sowie in eine Choralbearbeitung von Buxtehude, in dem dessen improvisatorischer Stil gut zu erkennen war. Und zum Schluss dann Präludium und Fuge in G-Dur von Bach, in dem die Themenbildung durchaus ein gewisse Nähe zu Buxtehude erkennen ließ.

Ein ausgesprochen ansprechender Abend, bei dem es nicht störte, dass bei den Orgeldarbietungen nicht immer alles klappte. Umso wirkungsvoller geriet dafür das Orgelnachspiel nach einem gemeinsam gesungenen Lied. Da baute LaDeur mal schnell noch Händels berühmtes „Hallelujah“ ein, als ob das eine einzige Selbstverständlichkeit wäre: Ein Genuss.

Von Reinald Hanke