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Wietze Ergebnisse im Wietzer Marketingprozess vorgestellt
Celler Land Wietze Ergebnisse im Wietzer Marketingprozess vorgestellt
18:21 30.08.2010
Von Andreas Babel
Grafiken der Schülerbefragung. Quelle: Andreas Babel
Wietze

Thomas Harms ist ein fröhlicher Mensch. Und er ist neu in Wietze. Der Liebe wegen zog er vor drei Jahren in die Gemeinde im Celler Westkreis. Er trug sich während des Bürgerfests als Erster mit einem Wunsch in eine Liste ein. Dort sollten die Bürger notieren, was ihrer Meinung auf dem Bahngelände und der Fläche „Westlich der Schule“ entstehen könnte. Fürs Bahngelände notierte Harms „Zugverbindung nach Celle und Schwarmstedt“. Das meinte er natürlich nicht ernst.

Der Hintergrund seines Eintrags ist aber ernster Natur. Weniger kostspielig, dafür aber machbar ist seiner Ansicht nach eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs, sprich der Busanbindung von Wietze in die beiden genannten Orte.

Die Ergebnisse der drei Arbeitskreise „Wirtschaft und Verwaltung“, „Freizeit und Erholung“ und Integration überschnitten sich teilweise. Jeder Arbeitskreis hat seit Anfang März fünf- bis sechsmal getagt. Dabei sind teilweise altbekannte, aber auch neue Forderungen und Wünsche formuliert worden.

„Wirtschaft und Verwaltung“: In diesem Bereich steht die Verbesserung der Bus-Anbindung an erster Stelle. Am Nachmittag sollen die Schulbusfahrten von Celle nach Wietze unzumutbar lang sein. Auch die Idee eines Bürgerbusses wurde angesprochen. Wünschenswert wäre ferner Folgendes: Leerstände von Wohn- und Geschäftshäusern verringern, attraktives Zentrum mit Dienstleistungsfunktionen entwickeln, Zuzug und Bevölkerungswachstum fördern, Tagestourismus stärken und neue Unternehmen ansiedeln.

„Freizeit und Erholung“: Konkreter wird es bei diesem Thema. So wünscht sich die Arbeitsgruppe neue attraktive Freizeitangebote wie einen Mountainbike-Parcours, eine Boccia-Bahn beim Goldwasch-Camp, Geocaching-Angebote und langfristig einen Skating-Park für Jugendliche. Das Ortsbild sollte attraktiver werden. Dazu sollte erstmals im Frühjahr des kommenden Jahres eine Putz-und Aufräumaktion stattfinden. Auch einen Vorgartenwettbewerb in jedem Ortsteil wurde angeregt. Die Wegeführung vom Rastplatz an der Wietze-Mündung in die Aller sollte optimiert werden. Um die Meinung von Jugendlichen einzuholen, wurde am Schulzentrum eine Umfrage durchgeführt (zu den Ergebnisse siehe im Kasten oben rechts).

„Integration“: Über das Thema Integration wurde zunächst theoretisch gesprochen, da keine ausländischen Teilnehmer bei den Arbeitsgruppensitzungen anwesend waren. Um das zu ändern, wurden Kurdischstämmige in ihrem Kulturzentrum an der Nienburger Straße angesprochen. Zur nächsten Sitzung erschienen erst wenige, nach einer erneuten Ansprache dann immerhin acht oder neun kurdischstämmige Wietzer, erzählt Wirtschaftsförderin Mirja Kuschnerus.

Um Integration im Sinne von Inklusion zu ermöglichen, gibt es verschiedene Vorschläge aus Reihen des Arbeitskreises. Zunächst sollte Kontakt zueinander aufgenommen und Gespräche sollten geführt werden. Ein Bürgerbrunch wäre eine denkbare Veranstaltung, zu der man zusammenkommen könnte. Die Gewerbeschau 2011 sollte unter ein Motto gestellt werden, das alle Bevölkerungsgruppen anspricht. Und zudem sollte mit Vorträgen und Ausstellungen über die Religion der Jesiden informiert werden. Die Forderung des Arbeitskreises „Bei öffentlichen Ausschreibungen sollten Betriebe, die von kurdischen oder anderen ausländischen Unternehmern geführt werden, Berücksichtigung finden“, stieß bei Bürgermeister Wolfgang Klußmann auf Verwunderung. Die Nationalität spiele bei Ausschreibungen keine Rolle. Bei beschränkten Ausschreibungen (Aufträge von geringem Finanzvolumen) werde man „andersherum nicht mit Firmen zusammenarbeiten, mit denen man schlechte Erfahrungen gemacht hat“, sagte Klußmann.

Wann genau sich die Politik mit den Ergebnissen beschäftigt, steht noch nicht fest.

Jugend-Wünsche:

Im Rahmen des „Marketingprozesses“ wurden auch 252 Schüler am Schulzentrum Wietze befragt. 71 Prozent von ihnen leben gerne in Wietze, 21 Prozent nicht gerne.

Das gefällt: Am meisten gefällt ihnen das gute Sportangebot (37), die landschaftliche Schönheit (36), die Geschäfte und die Gastronomie (29) und die Schule (23).

Das gefällt nicht: Langeweile (17) und der geplante Hähnchenschlachthof (17) rangieren gleichauf in der Liste der Gründe, warum sie nicht gerne in Wietze leben. Zu wenige Geschäfte bemängeln 14 Schüler, zu wenig Freizeitangebote 13. Dass sie keine Freunde haben oder gemobbt werden, geben 7 Schüler an.

Das fehlt: Am meisten fehlt den Schülern ein Kaufhaus (siehe Grafiken). Sie wünschen sich Bekleidungsgeschäfte, einen Freizeitpark und Sportangebote wie einen Fußballkäfig, einen Bolzplatz und einen Skaterplatz. Dass sich 46 Schüler einen Fast-Food-Imbiss wünschen, heißt: entweder meinen sie eine Filiale einer speziellen Kette oder sie kennen das gute Imbissangebot von Wietze nicht.