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Wietze Film thematisiert einstigen Erdölboom in Wietze
Celler Land Wietze Film thematisiert einstigen Erdölboom in Wietze
17:28 04.07.2014
Von Jürgen Poestges
Tom Fischer (links), Autor und Regisseur des Films „Pioniere des Erdöls“, freut sich mit Martin Salesch, dem Leiter des Erdöl- - museums, über die positive Resonanz auf seine Dokumentation. Quelle: Benjamin Westhoff
Wietze

Hermann Kramer ist zum Film gekommen wie die Jungfrau zum Kind. „Ich bin mit dem Fahrrad aus Altensalzkoth zum Erdölmuseum nach Wietze gefahren. Und an der Kasse sagte man mir schon, dass hier ein Film gedreht wird“, erinnert sich der 76-Jährige an den Tag im Juni 2013. „Dann kam auch schon jemand auf mich zu, fragte mich, ob ich Lust hätte, mitzumachen. Man brauche noch Leute.“ Und eh er sich versah, stand er, gewandet in Kleider nach der Mode des Jahres 1859, gemeinsam mit anderen Statisten an einem Bohrturm und arbeitete. Drei Tage dauerte der Dreh schließlich.

„Pioniere des Erdöls“ heißt der Film, der am Donnerstag als Vorpremiere in den Räumen des Erdölmuseums Wietze gezeigt wurde. Am Freitag, 11. Juli, wird er um 17.30 Uhr auf arte gesendet. Eingeladen waren alle, die an der Dokumentation mitgewirkt hatten – im Schwerpunkt Wietzer Bürger, die sich zum ersten Mal in einem Film sahen.

So wie Gisela Dehmel. Sie ist eine Nachfahrin der Familie Wallmann, deren Name eng mit dem Erdölboom des kleinen Heideörtchens verbunden ist. „Es war schon spannend, als das Filmteam zu mir nach Hause kam“, erzählt sie. Rund 45 Minuten habe das Interview gedauert. „Im Film ist dann aber leider gar nicht so viel davon zu sehen“, sagt sie. Enttäuscht sei sie aber nicht. „Der Film ist sehr gut geworden.“

Dieser Meinung sind alle, die ihn gesehen haben. Sehr zur Freude von Tom Fischer, der Regie geführt hat. „Es war toll, mitzuerleben, wie das ganze Dorf mitgemacht hat, um die eigene Geschichte auszuarbeiten“, erzählt der Filmemacher. „Das war ein unglaublicher Einsatz.“ Das hat ihm auch sein Kollege Stephan Koester bestätigt, der die nachgestellten Szenen mit Schauspielern und Komparsen gedreht hat.

Der Film erzählt die Geschichte des Heidedorfes Wietze, in dem im Jahr 1859, vor 155 Jahren, eine Bohrmannschaft auf Erdöl stößt. Es war die erste erfolgreiche Bohrung der Welt. Berühmt wurde allerdings die Bohrung in den USA, die drei Monate später erfolgte. Nichts desto trotz kam mit dem Öl der Reichtum in das Dorf. Aber auch Neid, Missgunst und Kriminalität. „Da wurde schon mal geschossen oder mit dem Messer zugestochen“, erinnert sich zum Beispiel Helmut Speiel im Film, der als kleiner Junge das Ende des Booms noch mitbekam. „Wilder Westen in der Heide“ ist ein Satz, der im Film auftaucht, Bohrtürme standen praktisch in jedem Garten.

Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann war mit dem Film ebenfalls zufrieden. Er erhofft sich, ebenso wie Martin Salesch, der Leiter des Erdölmuseums, gute Werbung für den Ort und das Museum.