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Wietze Friedhof Wietze: Dem Leben so nah
Celler Land Wietze Friedhof Wietze: Dem Leben so nah
15:18 18.02.2015
Friedhof Wietze der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michael Quelle: Martina Hancke
Wietze

Vom nahen Kindergarten klingt Lachen herüber. Unwillkürlich blickt man auf. Zu groß scheint einen Moment der Kontrast zwischen der Lebensfreude auf der einen Seite des Zaunes und den Gräberreihen auf der anderen. Der Wietzer Friedhof der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Michael liegt an diesem frostigen Vormittag verlassen. Nur ein einsamer Friedhofsgärtner rollt seine Schubkarre über die angefrorenen Wege.

Das Gelände lässt sich gut überschauen: Den Mittelpunkt bildet ein meterhohes markantes Holzkreuz. „Hier wurde 1932 der ehemalige Pastor der Gemeinde, Jakob Bucher, begraben“, weiß Pfarrsekretärin Susanne Schuermann. Sie empfiehlt, auch einen Blick auf die eingezäunten Grabstellen zu werfen. Dort haben Angehörige einiger der ersten Wietzer Familien ihre letzte Ruhestätte gefunden. Der Friedhof entstand Anfang des vergangenen Jahrhunderts. „Früher gab es hier sogar noch Grüfte, aber sie wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen“, so Schuermann. Rund um die Kapelle werden alte Grabsteine als Teil der Wietzer Geschichte verwahrt.

Doch auch dem Zeitgeist wird Rechnung getragen. Mittlerweile gibt es einen Hain für Baumbestattungen mit einer Messingstele für die Namen und Daten der Verstorbenen. Auch Paarbestattungen unter dem grünen Rasen werden für Sarg und Urne angeboten.

In einer kleinen Nische, halbrund gepflastert und von einem Efeu beranktem Stamm flankiert, steht eine Stele mit sieben Keramikschalen. Es ist der Gedenkort für Sternenkinder, der vor knapp zehn Jahren eingeweiht wurde. Im Sommer duften dort Kräuter. Jetzt im Winter ruhen in einigen der Schalen Murmeln, festgefroren im vereisten Wasser.

Nicht weit davon, am hinteren Zaun gelegen, findet sich das Kriegsgräberdenkmal. „Im Jahr 1963 wurden die in Wietze verstorbenen Opfer des Nationalsozialismus in eine gemeinsame Gräberfläche überführt, 1988 wurde die Anlage neu gestaltet mit drei Gedenksteinen“, sagt Stefan Achilles von der Gemeinde Wietze. Sie unterhält die Gedenkstätte ebenso wie drei kommunale Friedhöfe: den Waldfriedhof Wietze und die Friedhöfe in Wieckenberg und Jeversen. Erst im vergangenen Jahr wurden die Wege auf dem Waldfriedhof am Pastor-Isenberg-Weg komplett erneuert und mit einer Edelsplittdecke versehen. Dort im Wald hat der Begriff „unter Bäumen ruhen“ noch seine natürliche Bedeutung. Kaum eine Grabstätte, die nicht Schutz findet unter dem gewachsenen Blätterdach. Der Specht pocht selbst zu dieser Jahreszeit an den Stämmen. Meisen zwitschern. Es klingt wie Kinderlachen, wie das Leben.

Martina Hancke

Von Martina Hancke