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Wietze Gefährliche Keime: BI Wietze fordert Konsequenzen
Celler Land Wietze Gefährliche Keime: BI Wietze fordert Konsequenzen
17:52 07.02.2018
Von Simon Ziegler
Die Wietzer Bürgerinitiative mit ihrer Vorsitzenden Uschi Helmers hatte schon vor Jahren vor gefährlichen Keimen gewarnt. Der Schlachthof leitet Wasser aus seiner Kläranlage in die Aller. Quelle: Oliver Knoblich
Wietze

Täglich würden in Wietze 200.000 Hühner aus diesen Ställen angeliefert. Die BI habe sich bereits im Jahr 2010 an die zuständigen niedersächsischen und bundesdeutschen Behörden gewandt und auf eine amerikanische Studie hingewiesen. Die Antworten seien ähnlich wie jetzt gewesen. „Unsere Forderung nach einer Studie in Deutschland wurde entweder für nicht nötig gehalten oder mit fehlenden Mitteln für eine Studie begründet“, kritisiert Helmers.

Der NDR hatte in der Sendung „Panorama – Die Reporter“ am Dienstagabend die vielbeachtete Reportage „Auf der Spur der Superkeime“ gezeigt. Bei stichprobenartigen Untersuchungen von Gewässern waren Antibiotika-resistente Keime gefunden worden. Reporter des NDR hatten an insgesamt zwölf Stellen Proben genommen und testen lassen – unter anderem an Badeseen, Flüssen und Bächen. An allen untersuchten Orten waren sogenannte multiresistente Erreger nachweisbar.

Eine der Proben hatten die Reporter an der Aller in Wietze genommen – und zwar an der Stelle, an der das Abwasser des Hähnchenschlachthofs eingeleitet wird. Die Messergebnisse aus Wietze lagen im Hinblick auf die gefährlichen Keime im oberen Bereich aller zwölf Proben. Festgestellt wurden „zehn Mal so hohe Werte wie an den beiden Badeseen, die wir getestet haben“, sagte Christian Baars, einer der beiden Autoren des Films, der CZ. In der Aller wurden 44 multiresistente Keime pro 100 Milliliter nachgewiesen. „Für einen Fluss ist das nicht wenig. Damit hatten wir in der Form nicht gerechnet“, so Baars. Zudem wurden sogenannte Carbapenemasen gefunden. „Das sind Resistenzgene, die dazu führen, dass wichtige Reserve-Antibiotika nicht mehr wirken“, erläuterte der NDR-Journalist.

Ob die in der Aller nachgewiesenen multiresistenten Keime aus dem Schlachthof stammen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es könnte auch verschiedene Quellen geben. Bekannt ist, dass in der Hähnchenmast Antibiotika eingesetzt wird. Der Betreiber des Schlachthofes „Celler Land Frischgeflügel“ ließ eine Anfrage der Celleschen Zeitung unbeantwortet. In der Fernsehreportage wird indes erwähnt, dass der Rothkötter-Konzern seine Schlachthof-Kläranlage nachrüsten will, um die Zahl der Keime zu reduzieren.

Die Wietzer Bürgerinitiative fordert unterdessen, dass der Antibiotikaeinsatz sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin reduziert wird. „In der Tierhaltung müssen die anfälligen Zuchtlinien durch robuste Rassen ersetzt werden und die Ställe müssen an die Tiere angepasst werden, nicht umgekehrt“, sagt Helmers. Jetzt sei die Politik am Zug: Der Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermast müsse verboten und Kläranlagen nachgerüstet werden. Außerdem müssten die Gesundheits- und Gewerbeaufsichtsämter bei Gewässer- und Bodenuntersuchungen Keime miteinbeziehen.

Multiresistente Erreger sind deshalb so problematisch, weil ihnen einige Antibiotika nichts mehr anhaben können, daran Erkrankte sind besonders schwer zu behandeln. Experten hatten sich nach der TV-Reportage besorgt geäußert. Das Landesgesundheitsamt versuchte gestern zu beruhigen. Resistenzgene seien in der Natur vorhanden, das sei völlig normal, sagte der Abteilungsleiter für Umwelthygiene im niedersächsischen Gesundheitsamt, Roland Suchenwirth. „Das ist für den Normalbürger mit gesunder Haut, mit gesundem Immunsystem erst mal kein Problem“, betonte er. „Kritisch wird das Ganze dann, wenn Patienten im Krankenhaus diese Keime haben.“ Betroffen seien dort vor allem stark immungeschwächte Menschen. Der Mediziner sagte, je mehr Antibiotika eingesetzt würden, umso größer werde das Problem der Gewässerbelastung.

Ein Autohändler wird in seinem Geschäft niedergeschossen, es geht um eine Liebesbeziehung. Er kann noch selbst einen Notruf absetzen und überlebt. Im Hintergrund soll laut Staatsanwaltschaft ein religiöses Motiv stehen. Es könnten aber auch Schiebereien oder ein Streit im Rocker- und Rotlichtmilieu sein.

05.02.2018

Das ging fix: Wenige Tage nach der Entscheidung des Winser Gemeinderates, die Straßenausbaubeiträge abzuschaffen, hat die SPD in Winsens Nachbargemeinde Wietze den Antrag gestellt, Straßensanierungen künftig über die Grundsteuer zu finanzieren. Die Erhebung von Anlieger-Beiträgen für die Straßensanierung soll auch in Wietze der Vergangenheit angehören. Und die Sozialdemokraten in Hambühren machen ebenfalls Druck. Es sieht so aus, als würde die Winser Entscheidung ihre prognostizierte Signalwirkung sehr schnell entfalten.

Simon Ziegler 05.02.2018

„Das hat mit Sicherheit Signalwirkung“, sagte Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann mit Blick auf die Nachbargemeinde in Winsen. Der dortige Rat hatte am Dienstag entschieden, die Straßenausbaubeiträge abzuschaffen. „Ich gehe davon aus, dass wir das Thema langfristig auch auf der Agenda haben werden“, so Klußmann, er selbst könnte auch mit einer Grundsteuer-Finanzierung leben, sagte er.

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