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Wietze Geständnis nach Vergewaltigung in Wietze
Celler Land Wietze Geständnis nach Vergewaltigung in Wietze
17:14 23.01.2017
Wietze

Der 23-Jährige schlug nach einem Trinkgelage auf die Frau ein, entkleidete sein Opfer gegen ihren Willen, um sexuelle Handlungen vornehmen zu können. Die heute 34-Jährige erlitt eine Schädelprellung, mehrere Rippenfrakturen und zahlreiche Hautabschürfungen.

„Was soll ich großartig abstreiten. Es stimmt, was der Staatsanwalt vorgelesen hat. Ich sehe meinen Fehler ein“, so begann der Beschuldigte seine Einlassung. Der gelernte Schlosser berichtete, dass er mit Bekannten in der Wohnung eines Freundes feierte. Die spätere Geschädigte stieß zu der illustren Runde hinzu. Am späten Abend gingen beide nach draußen, um in den auf dem Grundstück befindlichen Baracken einen Schlafplatz zu suchen. In der Scheune schlug die Stimmung um. Zunächst stritten beide verbal, dem schloss sich eine Rangelei an. An die genaue Missbrauchshandlung erinnerte sich der Tatverdächtige nicht mehr. „Ich weiß aber noch, dass ich Sex haben wollte.“

Die 34 Jahre alte Geschädigte, die in der Hauptverhandlung als Nebenklägerin auftritt, redete leise. Die Zeugin reiste an besagtem Tag vor vier Jahren mit der Bahn von Berlin nach Celle und trampte im Anschluss nach Wietze, um dort einen Bekannten in einer Therapieeinrichtung zu besuchen. Im Verlauf des Tages lernte die Frau den Angeklagten und seine Kumpels kennen. Feucht-fröhlich gestalteten sich die folgenden Stunden. Die Attacke in dem Stall kündigte sich ohne Vorwarnung an. „Ich will jetzt Sex mit dir haben“, der genaue Wortlaut des Satzes brannte sich tief in ihr Gedächtnis ein. „Ja, er hat mich geschlagen.“ Irgendwann befreite sich die Berlinerin und flüchtete zu Nachbarn, die Polizei und Rettungsdienst verständigten. „Für mich ist die Sache erledigt“, sagte die 34-Jährige auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin, die wissen wollte, ob das Martyrium seelische Wunden hinterließ.

Der Angeklagte wuchs in schwierigen Familienverhältnissen aus. Der Vater starb vor etlichen Jahren, zur Mutter besteht kein Kontakt mehr. Der Schlosser ist schon oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Sieben Einträge verzeichnet sein Führungszeugnis. Das Landgericht Lüneburg verurteilte ihn Ende 2015 wegen schwerer Körperverletzung in mehreren Fällen zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe. Kurz nach der sexuellen Attacke von Wietze quälte der 23-Jährige zusammen mit einem Komplizen einen Mann aus Hambühren und fügte ihm schwere Brandwunden zu. Der Gutachter diagnostizierte eine Persönlichkeitsstörung und ein Alkoholproblem.

Die Strafkammer hat bis zum 8. Februar zwei weitere Sitzungstage angesetzt.

Von Benjamin Reimers