Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Wietze Konzert des „Capellini-Ensembles“ wird zum schwelgerischen Genuss
Celler Land Wietze Konzert des „Capellini-Ensembles“ wird zum schwelgerischen Genuss
17:18 24.10.2016
Das „Capellini-Ensemble“ mit(von links) Eckhard Pohl, Bernward Lohr, Markus Gehnen und Charlotte von Schweder fesselte die Zuhörer in der Wieckenberger Stechinelli-Kapelle. Quelle: Alex Sorokin
Wieckenberg

Das Quintett mit Eckhard Pohl (Violine), Irmtraut Pohl (Oboe), Markus Gehnen (Violoncello), Bernward Lohr (Cembalo) und der Sängerin Charlotte Jarosch von Schweder (Sopran) verwandelte die ausgewählten Partituren von Telemann, Händel, Bach, Mattheson und Patouart in auf- und anregende Musik und agierte mit einem hinreißenden Gespür für sinnliche Reibungen und Zusammenklänge.

Mit großen dynamischen Abstufungen – gleichzeitig meditativ und enorm expressiv aufspielend – gelang es den Interpreten, eine gespannte Atmosphäre gesammelter Aufmerksamkeit zu erzielen und unter diesem straffen Spannungsbogen mit dezent untermalender Continuoarbeit die Faszination jedes Stückes mit überzeugendem Ausdruckswillen auf die Zuhörer zu übertragen. Sowohl im Zusammenwirken als auch solistisch stürzten sich die Interpreten mit Entdeckerfreude der Musik auf den Grund. Da gab es mitunter geradezu ausgelassene, fast rasende Tempi, aber immer mit genauer Artikulation und Phrasierung, bei der jede Nuance mit viel Liebe zum Detail zur Geltung gebracht wurde.

Wärme, Zartheit und Tiefe prägten Charlotte von Schweders Gesangsvorträge. Die Sopranistin zeigte sich in der musikalisch-dramatischen Vertrautheit von Händels Arien in ihrem Element. Und die begleitenden Instrumentalisten sorgten für die passenden Konturen, für das adäquate dramatische Ausleuchten der intimen Gefühlswelten, in die die Sängerin mit ausgesprochener Tonschönheit eintauchte. Dabei gelang es ihr, bei ihrem aus dem Piano sich zu vollem Volumen entwickelnden „vorausschauenden Singen“ Spannungsfelder von packender Eindringlichkeit zu erzeugen, etwa bei der populären Arie „Lascia qu’io pianga“ aus Händels Oper „Rinaldo“.

Auch die rein instrumentalen Beiträge ließen es an interpretatorischer Raffinesse nicht fehlen. So wusste Bernward Lohr bei Bachs „Englischer“ a-Moll-Suite formale Strenge auf faszinierende Weise mit rhetorischer Beweglichkeit und elastisch federnden tänzerischen Momenten zu verbinden. Irmtraut Pohl wiederum spielte bei Matthesons Oboen-Sonate Dynamikwechsel und Kontraste ebenso mitreißend lustvoll aus wie Markus Gehnen bei Patouarts Cello-Sonate und Eckhard Pohl bei Bachs e-Moll-Violinsonate. Auch die abschließende B-Dur-Triosonate für Violine, Oboe und Basso continuo von Telemann wurde zum schwelgerischen Genuss. Da wechselte sich Entspanntheit mit Zugkraft ab, da wurde man von Milde und Zärtlichkeit genauso umgarnt, wie man von den spieltechnisch versiert dargestellten Spannungsbögen gepackt wurde.

Von Rolf-Dieter Diehl