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Wietze Mäßiges Interesse an Sprechstunde
Celler Land Wietze Mäßiges Interesse an Sprechstunde
17:31 03.02.2010
Von Simon Ziegler
Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann und Landrat Klaus Wiswe (rechts) im Gespräch mit Wietzer Bürgern. Quelle: Gert Neumann
Wietze

Die Sorgen der Wietzer ernst nehmen, mit ihnen ins Gespräch kommen, Bürgernähe demonstrieren. Celles Landrat Klaus Wiswe und Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann hatten am Dienstag in der Heidjerstube zu einer ungewöhnlichen Bürgersprechstunde geladen, um vor allem das heiße Thema „Geflügelschlachthof“ zu diskutieren. Trotz des starken Protests von Teilen der Bevölkerung wurde die Sprechstunde aber nicht gerade überrannt. Selbst entschiedene Schlachthof-Gegner fragten während der über vierstündigen Sitzung, „wo denn die Leute sind“.

„Ich hatte mit mehr Kritik gerechnet“, sagte Wiswe gestern. Er zeigte sich fast verwundert darüber, dass sogar einige Bürger in dem Gespräch deutlich machten, dass sie hinter dem Schlachthof stehen. In der Überzahl waren am Dienstag aber wie erwartet die Gegner des Großprojektes. So äußerte eine Wietzerin die Befürchtung, dass Rothkötter Arbeitsplätze an Subunternehmer ausgliedere und „Billigjobs für osteuropäische Arbeiter“ entstehen. Eine weitere Bürgerin wollte in Erfahrung gebracht haben, dass Rothkötter anders als angekündigt nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit keine 10,20 Euro Stundenlohn zahlen würde. Klußmann verwies dagegen auf die schriftliche Bestätigung des Unternehmens, wonach dieser Stundenlohn zugesichert worden sei. Statt einer großen Zahl von Leiharbeitern werde der Geflügelkonzern „90 Prozent sozialversicherungspflichtige Jobs“ schaffen, so Klußmann.

Neben der Qualität der Arbeitsplätze ging es in dem Gespräch vor allem um die Befürchtung, dass die Wasserentnahme zu negativen Auswirkungen für die Umwelt führen könnte. Ärgerlich wurde Wiswe, als ihm ein Bürger vorwarf, die Behörden würden wissentlich Gutachten manipulieren.

Unterdessen nutzte die „Bürgerinitiative für den Erhalt unseres Aller-Leine-Tals“ die Gelegenheit in der Heidjerstube, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen und weitere Mitglieder zu werben. Inzwischen habe die Initiative knapp 200 Mitstreiter, sagte Uschi Helmers. Derzeit seien Anwälte damit beschäftigt, das Bürgerbegehren in Gang zu bringen, ergänzte der Vorsitzende Norbert Juretzko. Obwohl das Unternehmen mehrfach bekräftigt hat, sich in Wietze ansiedeln zu wollen, ist sich Juretzko sicher: „Rothkötter wird nicht kommen. Dafür gibt es eine Menge von juristischen Ansatzpunkten.“