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Wietze Schlachthof-Krimi erschienen
Celler Land Wietze Schlachthof-Krimi erschienen
16:58 02.12.2011
Von Simon Ziegler
Tulpen aus dem Schlachthof Quelle: nicht zugewiesen
Wietze

„Tulpen aus dem Schlachthof“ heißt ein jetzt erschienener Regionalkriminalroman. Der Verfasser schreibt unter dem Pseudonym Cornelia Sziget.

Die Handlung spielt in „Mölze“, unschwer als Celle zu erkennen: Die junge Lehrerin Elena wird tot aufgefunden. Ihr Vermieter Martin Spranger ist ein tölpelhafter Gelegenheitsdetektiv, der eigene Recherchen in Gang setzt, als er selbst ins Fadenkreuz der Ermittler gerät. Es stellt sich heraus, dass Elena mit militanten Tierschützern in Kontakt stand und den Schlachthof in einem als „Weitze“ bezeichneten Ort verhindern will.

Die Geschichte lebt vom Lokalkolorit. Sziget beschreibt die Celler Innenstadt mit ihren Fachwerkhäusern oder dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude gegenüber der Polizei; CD-Kaserne und Rios sind in die Handlung eingebettet. Auch Anspielungen auf die Lokalpolitik gibt es zuhauf.

Tragendes Thema ist aber die Auseinandersetzung um den Schlachthof in „Weitze“. Nahe an der Wirklichkeit schildert die Autorin, wie militante Tierschützer den Bauplatz besetzt, einen Graben ums Lager errichtet und einen Wohnwagen in der Erde vergraben haben. Es geht um brennende Mastställe, Tierschutz-Gutachten und jugendlichen Idealismus - und um die Frage, wie eine Gesellschaft tickt, die millionenfach Tiere tötet, um billiges Fleisch zu produzieren.

Dass die Geschichte unverhohlen mit den Schlachthof-Gegnern sympathisiert, kann man gut verkraften. Etwas weniger moralischer Impetus hätte es aber auch getan. Ob Celler Ostumgehung, Atomkraft oder eben Massentierhaltung: Die Autorin weiß scheinbar ganz genau, was richtig und was falsch ist. Und dass der böse Schlachthofmanager eine völlig kaputte Familie inklusive alkoholabhängiger Ehefrau und revoltierendem Sohn hat, der Anschläge auf Hähnchenställe plant - man hätte es sich differenzierter gewünscht.

Sei‘s drum. „Tulpen aus dem Schlachthof“, Szigets zweiter Krimi nach „Unbekannt verzogen“, ist trotzdem eine spannend erzählte Geschichte, die ein sehr umstrittenes Thema aufgreift, das Lokalpolitik und Bevölkerung in "Mölze" und "Weitze" intensiv beschäftigt hat.