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Wietze Schüsse auf Autohändler in Wietze: Rätselraten um Motiv
Celler Land Wietze Schüsse auf Autohändler in Wietze: Rätselraten um Motiv
19:01 05.02.2018
Vor dem Landgericht Lüneburg läuft der Prozess um den Schuss auf einen Autohändler im Landkreis Celle. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Wietze

LÜNEBURG/WIETZE. Dass der 20-jährige Angeklagte am 23. Juli vergangenen Jahres einen Wietzer Autohändler niederschoss und sein 41 Jahre alter Komplize die Tatwaffe, eine Maschinenpistole, auf einem Bistrotisch im Eingangsbereich unweit des Eingangs deponierte, erfuhren die Richter zum Auftakt der Mammutverhandlung am Lüneburger Landgericht. Im Zentrum des Prozesses um versuchten Mord kursieren zahllose Gerüchte um das Motiv.

Hat der Heranwachsende aus Sorge um seine Schwester rot gesehen? Spielte gekränkte Ehre eine Rolle, weil die Familie nur einen kurdischstämmigen Partner für die Tochter akzeptierte? Gerieten die Beteiligten wegen Schiebereien mit Luxusautos nach Russland in Streit? Dieser Hinweis gelangte durch einen Gefängnisinsassen zur Akte. Oder läuft hinter den Kulissen ein Kräftemessen, das ins Rocker- und Rotlichtmilieu hineinreicht?

Am dritten Verhandlungstag stand ein 53-Jähriger im Zeugenstand. Die List, unwichtige Details darüber, dass die Beschuldigten bei dem US-Car-Händler ein- und ausgingen, wiederholt zu schildern, sorgte für Irritationen. Der Vorsitzende Richter insistierte und begann aus seinen Papieren vorzulesen. In den Tagen nach dem Anschlag seien hochwertige Limousinen durch den Ort gefahren. Angeblich Schaulustige, listete das Protokoll auf. Gegenüber der Kripo hatte der als Hausmeister tätige Zeuge berichtet, dass ihn plötzlich auf der Landstraße bei Ovelgönne mehrere Autos verfolgten. Vor Gericht ruderte der Mann zurück: „Da bin ich nie lang gefahren. Die Staatsmacht hat das übertrieben dargestellt.“ Vieles in dem Prozess bleibt bislang dubios.

Auch ein Fleischermeister aus dem Umfeld des Opfers war am dritten Verhandlungstag als Zeuge geladen. Der Mann aus Hannover mühte sich nach Kräften, den Frageansturm angemessen zu bewältigen. Mitten in der Nacht rief jemand an und teilte ihm von den Geschehnissen in Wietze mit. Der Mann holte einen Bekannten ab und raste nach Celle. Vor der Intensivstation trafen in den frühen Morgenstunden immer mehr Anteilnehmende ein. „Das ist alles ein falscher Film hier. Also wenn Sie mich fragen, warum das alles passiert ist, da haben sich einige wie im Wilden Westen verhalten.“ Am Krankenbett sei nicht über den Schützen und sein mögliches Motiv gesprochen worden.

Je länger die Befragung dauerte, desto ungehaltener wurde der Richter. „Schöne Geschichte“, echauffierte er sich. Ein polizeilicher Vermerk hielt die Szene fest. „Personen aus dem Rockermilieu trafen nach und nach vor dem Krankenhaus ein.“ Darauf angesprochen geriet der 41-Jährige ins Schwitzen, zeichnete nach kurzem Überlegen ein positives Charakterbild seines Kumpels und bestritt, dass er bei den martialisch auftretenden Kuttenträgern mitmischt.

Am 10. November 2017 verbuchten die Fahnder den lang ersehnten Erfolg. Polizeispürhund „Hexe“ gelang es, die Tatwaffe tief verbuddelt und verpackt in einer Edeka-Tüte im Waldboden unweit des Tatortes zu erschnüffeln. Dass es seine eigene Waffe war, die den Unternehmer schwer verletzte, offenbart, wohin das illegale Wettrüsten führt. Laut einem Gutachter des Bundeskriminalamtes war die Pistole als „unbrauchbar“ gelistet. Wer sie in Funktion setzte, blieb unklar.

An dem Wietzer Fall wird ein Phänomen deutlich, das Strafverfolgern immer größere Sorgen bereitet. Deaktivierte Feuerwaffen werden durch Wiederbrauchbarmachen in kriminellen Kreisen zu einer lukrativen Einnahmequelle. Mitte Februar geht der Prozess weiter. Die Lüneburger Strafkammer muss auf dem Weg zu einem Urteil noch viele Hindernisse beiseite räumen.

Von Benjamin Reimers

Das ging fix: Wenige Tage nach der Entscheidung des Winser Gemeinderates, die Straßenausbaubeiträge abzuschaffen, hat die SPD in Winsens Nachbargemeinde Wietze den Antrag gestellt, Straßensanierungen künftig über die Grundsteuer zu finanzieren. Die Erhebung von Anlieger-Beiträgen für die Straßensanierung soll auch in Wietze der Vergangenheit angehören. Und die Sozialdemokraten in Hambühren machen ebenfalls Druck. Es sieht so aus, als würde die Winser Entscheidung ihre prognostizierte Signalwirkung sehr schnell entfalten.

Simon Ziegler 05.02.2018

„Das hat mit Sicherheit Signalwirkung“, sagte Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann mit Blick auf die Nachbargemeinde in Winsen. Der dortige Rat hatte am Dienstag entschieden, die Straßenausbaubeiträge abzuschaffen. „Ich gehe davon aus, dass wir das Thema langfristig auch auf der Agenda haben werden“, so Klußmann, er selbst könnte auch mit einer Grundsteuer-Finanzierung leben, sagte er.

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Simon Ziegler 31.01.2018

Der Wietzer Gemeinderat hat in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit den Gemeinde-Haushalt 2018 verabschiedet. 17 von 21 Ratsmitgliedern stimmten mit Ja. Zwei Sozialdemokraten enthielten sich, es gab zudem zwei Nein-Stimmen von SPD und Grünen. „Ich freue mich, dass wir einen Haushalt haben und damit arbeiten können“, sagte Bürgermeister Wolfgang Klußmann nach der Sitzung.

Simon Ziegler 30.01.2018