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Wietze Suedlink: Fachleute stellen sich in Jeversen den Bürgern
Celler Land Wietze Suedlink: Fachleute stellen sich in Jeversen den Bürgern
19:57 06.03.2015
Von Simon Ziegler
Volles Haus: Vor rund 150 Bürgern erklärte Ulrike Platz von der Bundesnetzagentur, wie der Verlauf der Stromtrasse Suedlink festgelegt wird.  Quelle: Anne Friesenborg
Jeversen

Am Ende wurde Klartext gesprochen. „Wir reden nicht von einer Freileitung, wie reden nicht von Erdverkabelung. Wir reden davon, dass wir Suedlink gar nicht wollen“, sagte eine Wietzer Bürgerin. „Was soll der Eiertanz? Es gibt nichts Besseres, als die Kabel zwischen die Fahrbahnen der A7 zu legen“, meinte ein anderer. Und ein weiterer Bürger blickte nach Süden: „Wir sollen alle die Stromtrasse zahlen, damit die in Bayern Strom bekommen.“

Die Trasse Suedlink wird bei vielen Bürgern im Celler Westkreis äußerst kritisch gesehen. Niemand will Strommasten „im Vorgarten stehen haben“, wie es am Donnerstag hieß, viele befürchten gravierende Auswirkungen auf die Natur im Aller-Leine-Tal. Vor über einem Jahr hatte der Betreiber Tennet seine Vorzugstrasse vorgestellt, die zwischen Jeversen und Wietze verlaufen soll. Um Informationen aus erster Hand zu erhalten, hatten Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann und der Landtagsabgeordnete Thomas Adasch Vertreter von Tennet und der Bundesnetzagentur nach Jeversen geholt. Der Abend stieß auf enormes Interesse. Rund 150 Bürger kamen ins Gasthaus „Unter den Linden“.

Tennet rechnet damit, dass der genaue Verlauf der Trasse, die von Schleswig-Holstein nach Bayern führen wird, in etwa zwei Jahren feststeht, sagte Länderreferent Matthias Wantia. Zugleich machte er klar, dass die Vorzugstrasse längst nicht beschlossene Sache ist. Dem Betreiber selbst sei es relativ egal, wo die Trasse genau verläuft. Geprüft werden mehrere Alternativen, am Ende soll die „beste Option“ stehen.

Das komplexe Verfahren mit Info-Märkten, Antragskonferenz, Erörterungstermin und Planfeststellung erläuterte Ulrike Platz von der Bundesnetzagentur. In der für viele zentralen Frage – Erdverkabelung oder Freileitung – stellte sie klar: „Wir prüfen technologieoffen. Wir haben mit niemandem einen Vertrag.“

Während viele Bürger sich eindeutig für die Erdkabel aussprechen, ist die Sache bei Landwirten nicht so klar. Denn über den Kabeln in 1,5 bis 2 Meter Tiefe kann beileibe nicht alles wachsen, inzwischen soll sich der hessische Bauernverband deshalb gegen Erdkabel ausgesprochen haben. „Malen Sie sich die Erdkabel nicht rosarot“, warnte Wantia. Schon wird gewitzelt, dass dann ganzjährig Spargel angebaut werden könnten.

Klußmann erneuerte seine Forderung, Suedlink an der A7 zu bauen. Wenn die Trasse nahe an Wohngebiete kommt, könnte sie unter der Erde weitergebaut werden, so die Idee. Wird geprüft, sicherten die Planer zu. Das Schlusswort am Donnerstag hatte Adasch: „Suedlink wird kein Selbstläufer. Die Meinungen gehen weit auseinander.“