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Wietze Wasserkraft-Potenzial in Hornbostel ausschöpfen
Celler Land Wietze Wasserkraft-Potenzial in Hornbostel ausschöpfen
18:03 03.08.2017
Der Arbeitskreis Umwelt der CDU-Landtagsfraktion mit Ernst-Ingolf Angermann (rechts) hat sich ein Bild von der Forschungswasserkraftanlage Bannetze-Hornbostel gemacht. Quelle: Lothar H. Bluhm
Hornbostel

Vom Wehr Bannetze aus verschafften sich die Landespolitiker gestern aber dennoch einen Überblick über den Fortschritt zum Bau des Wasserrades, nachdem sie sich in den vergangenen Tagen bereits im gesamten Land über bedeutende Naturschutz- und Umweltprojekte informiert hatten.

Mit rund einem Jahr Verspätung sei man nun dabei, stellte der Projektleiter der Universität Braunschweig, Christian Seidel, fest und unterstrich, dass es sehr lange gedauert habe, bis der letzte Bewilligungsbescheid zur Förderung der europaweit interessanten Anlage vorlag. Jetzt rechnet Seidel damit, dass Ende kommenden Jahres das Wasserkraftwerk in Betrieb gehen wird. „Diese Forschungswasserkraftanlage ist ein erster Schritt und soll den Nachweis der technischen Funktion erbringen. Der zweite Schritt – die wirtschaftliche Funktion – soll dann mit der Pilot- und Demonstrationsanlage in Hademstorf folgen.“ Schritt drei sei danach die Markteinführung einer Kleinserie von Wasserrädern, denn an Fulda, Werra und Ems bestehen vergleichbare Voraussetzungen zur Stromerzeugung.

Auf der Ostseite der Aller wird momentan das „Baulos 1“ des Gesamtprojektes realisiert, das Spundwand- und Erdarbeiten umfasst. Deutlich ragen die Spundwände über das Hochwasser hinaus und lassen erahnen, welches Ausmaß die Wasserkraftanlage einmal haben wird. Mit zwölf Metern Breite wird ein Stahlwasserrad mit einem Durchmesser von elf Metern errichtet, zum Teil versteckt hinter einer Lärchenholz-Verkleidung, zum Teil gut sichtbar hinter einer großen Glaswand. „Das sollen sich die Leute ja auch anschauen können“, sagt Seidel. „Das technische Wasserkraftpotential in Deutschland ist derzeit erst zu 66,9 Prozent ausgeschöpft. Ungenutzt ist dabei vor allem das Wasserkraftpotential, das im Bereich der niederen Fallhöhen und großen Durchflussmengen liegt.“ Gerade dieses Potential lasse sich technisch besonders effizient durch die weiterentwickelte Wasserradtechnologie erschließen.

Das Wasserrad ist nach Meinung des Vorstandsvorsitzenden der Salzgitter AG, Professor Heinz Jörg Fuhrmann etwas uneingeschränkt Positives. Bereits während des ersten Spatenstichs am Allerufer kritisierte er die Energie- und Umweltpolitik. „Die Energiewende – und überhöht durch das, was aus der EU auf uns zukommt – ist geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit und damit auch die Existenz der energieintensiven Industrie in Deutschland und in der EU infrage zu stellen.“ Häufig werde gerade in Brüssel übersehen, dass Energiepolitik immer auch Industriepolitik ist. Mit dem Projekt könne allerdings ein Spagat entstehen: „Gelingt uns die Umsetzung zum Industriemaßstab, so lässt sich tatsächlich langfristig eine Schlüsseltechnologie mit netzstabilisierender Funktion bei gleichzeitig niedrigen Stromkosten in Deutschland einführen.“

Von Lothar H. Bluhm