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Wietze Wietze will Schule behalten
Celler Land Wietze Wietze will Schule behalten
16:43 28.06.2011
Von Christoph Zimmer
Wietze

Wolfgang Klußmann (CDU) sieht schwarz. „Das wäre für die Gemeinde Wietze wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Wietze, angesprochen auf das im Juni vom Landkreis vorgelegte Schulstrukturgutachten, „sie muss erhalten bleiben.“ Dabei ist es gar nicht so viel, was der Gutachter über den Schulstandort Wietze sagt - aber das hat es in sich. Es wäre möglich, den Schulstandort Wietze in dem Jahrgang fünf und sechs als Außenstelle einer Oberschule mit gymnasialen Zweig in Winsen zu führen, aber nur „unter Umständen“, wie er es ausdrückt. Der Anziehungskraft einer Oberschule in Winsen könne Wietze „ansonsten nicht widerstehen“. Was nichts anderes bedeutet als: Die Haupt- und Realschule in Wietze soll im kommenden Sommer auslaufend geschlossen werden. Aber damit wollen sich die Verantwortlichen nicht zufrieden geben. Sie sehen darin eine große Gefahr für die Entwicklung der Gemeinde. In dieser Frage sind sie sich ausnahmsweise einmal einig.

Die Lage ist schwierig, die Zahl der Grundschüler seit 1995 um 16 Prozent gesunken. Im gesamten Landkreis sind sie um durchschnittlich 19,4 Prozent gesunken. An der Empfehlung des Gutachters ändert das aber nichts. Er hielte eine solche Entscheidung für falsch, sagte Klußmann. Bereits seit einigen Jahren wird die Haupt- und Realschule gemeinsam verwaltet, das habe sich „organisatorisch und pädagogisch bewährt. Die Situation ist langsam gewachsen und nicht künstlich geschaffen worden“, betont der Bürgermeister. Die Ganztagsschule sei gut angenommen worden und die Gebäudesubstanz in Ordnung, es gebe keinen Investitionsstau.

Darüber hinaus betonte er die Probleme, die durch eine Schulschließung entstehen würden. Für die Entwicklung der Gemeinde wären die Folgen fatal, so Klußmann. Durch die Ansiedlung des Geflügelschlachthofes sieht er „ein enormes Entwicklungspotenzial für die Gemeinde“. Deshalb forderte er den Kreistag auf, „den Vorschlag des Gutachters zu verwerfen und der Gemeinde die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern“. Aus diesem Grund sollen am Donnerstag, 7. Juli, 19 Uhr, in einer Schulausschusssitzung andere Lösungsvorschläge erarbeitet und dem Landkreis vorgelegt werden, bevor der Kreistag am 15. August eine Handlungsempfehlung abgibt.

Für den Erhalt des Schulstandorts hat sich auch Tobias Oehler (SPD) ausgesprochen. „Sie darf nicht geschlossen werden“, sagt der Bürgermeisterkandidat und Vorsitzender des Schulelternrates. Was die Integration angeht, erfülle die Arbeit an er Schule eine sehr wichtige Aufgabe in der Gemeinde. Bis zu ihrem Abschluss werden nicht nur die Schüler mit Migrationshintergrund durchgängig gefördert - vor allem, was die Sprachkompetenz angeht. „Es wäre fahrlässig, das, was wir uns aufgebaut haben, einfach aufzugeben“, sagt Oehler.

Der Gutachter befürchtet, dass eine Konkurrenz mit einer benachbarten Oberschule mit gymnasialen Zweig, wie sie in Winsen vorgesehen ist, die Haupt- und Realschule in Wietze aushöhlen könnte. Davon will Oehler nichts wissen. „Wir beweisen schon lange, dass wir konkurrenzfähig sind“, sagte er und meint die benachbarte, mit einer Oberschule mit gymnasialen Zweig vergleichbare KGS Schwarmstedt.

Die Diskussion werde der Bedeutung der Angelegenheit nicht gerecht, „sie wird viel zu hektisch geführt“, meint Norbert Juretzko, der als freier Einzelkandidat bei der Bürgermeisterwahl im September antreten wird. „Wichtig ist, dass wir Gespräche führen, vor allem mit den Eltern und den Lehrern, aber auch mit den Nachbargemeinden“, sagte Juretzko, „danach können wir Vorschläge formulieren.“ Besonders viel Zeit haben sie dafür aber nicht mehr.