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Wietze Wietzer Museumschef: Erste Ölbohrungen schon früher?
Celler Land Wietze Wietzer Museumschef: Erste Ölbohrungen schon früher?
17:35 27.12.2016
Von Simon Ziegler
Wietze

Bisher galt: Die erste erfolgreiche Erdölbohrung der Welt fand 1858/59 in Wietze statt. Dafür verantwortlich war Georg Christian Konrad Hunäus. Doch möglicherweise lassen sich die Ergebnisse so nicht halten. Er habe nicht vor, die Pionierleistung von Hunäus in Zweifel zu ziehen, schreibt Lütgert. Doch die Bohrungen von Hunäus in Wietze seien nicht der Beginn einer historischen Entwicklung, sondern hätten eine längere Vorgeschichte.

Im Jahr 1842 will nämlich ein Gewerbe-Verein des Königreiches Hannover in Wietze Erdbohrungen vornehmen. Ob die Versuche erfolgreich waren, ist unklar. In den Quellen hat der Museumsleiter aber auch ein Schreiben des Gewerbe-Vereins gefunden, das belege, dass in Oedesse bei Peine eine Bohrung im selben Jahr stattfand. „Es gibt keinen Zweifel, dass schon 16 Jahre vor Hunäus der erklärte Wille vorhanden war, die damals im Hannoverschen bekannten Erdölvorkommen wissenschaftlich zu erkunden“, sagt Lütgert. Bekannt waren damals Oedesse, Hänigsen und Oberg. Und natürlich Wietze.

Hat Wietze damit das Alleinstellungsmerkmal der ersten Bohrung verloren? Wurde bei Peine schon früher nach Erdöl gebohrt? „Entscheidend ist etwas anderes“, sagt Lütgert, „die Region ist, weltweit betrachtet, ganz weit vorne“. Wietze sei vermutlich das in Sachen Erdöl mit Abstand wichtigste Gebiet gewesen. Der Status von Wietze als Wiege der Erdölindustrie sei gut begründet.

Lütgert beschreibt in seinem Beitrag die Entwicklung in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrunderts, als die Teergewinnung in Wietze ausgeweitet wurde. Der Wietzer Museumschef bekam Zugang zum Privatarchiv von Michael Rost. Von diesem „Dachboden“ war der Forschung bislang gar nichts bekannt. Rost ist ein Nachfahre der Wallmanns, einer Familie von Ölpionieren, die die Geschichte Wietzes maßgeblich geprägt hat. Die historische Dokumente von Rost belegen laut Lütgert, welche Vermögen schon zu diesem Zeitpunkt gemacht wurden. So betrug etwa 1843 der Gewinn aus Teer rund 3000 Reichstalern. Zum Vergleich: Das stattliche Wohnhaus des Wallmannschen Hofes hatte einen Wert von 2000 Reichstalern.

Auch über die Vermarktung des schwarzen Goldes gibt es neue Hinweise. Dieser sei bis nach Hamburg verhandelt worden, um dort die Bürgersteige zu befestigen. 1841 taucht ein Hamburger Spekulant in Wietze auf, der dort im großen Stil Teer abbauen will. Dazu sollen Gruben bis zu 20 Metern Tiefe angelegt werden. Auch wenn die Pläne letztlich scheitern: Sie zeigen, welches Potential etliche Jahre vor Hunäus in Wietze gesehen wird. Ein Gutachten von 1838, bisher nicht bekannt, gibt laut Lütgert Aufschluss über die Verwendungszwecke des Teers, Stichwort Asphalt-Gewinnung.

Lütgert überlegt, seine Forschungen nicht nur der Fachwelt, sondern auch einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Das Gutachten von 1838 könnte in kommentierter Form im Erdölmusem veröffentlicht werden. Dort stehen die Zeichen ohnehin auf Erneuerung. „Ich will das Haus bis 2020 neu aufstellen“, sagt der Museumschef. Zentrales Thema ist die Neukonzeption der in die Jahre gekommenen Dauerausstellung. Zudem gibt es Ideen für die Entwicklung einer Smartphone-App, auch Filmprojekte sind in Arbeit. Der große Bohrturm, das Wahrzeichen der Gemeinde, soll 2017 saniert werden.