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Wietze Wietzer Museumschef forscht zur Aller-Schifffahrt
Celler Land Wietze Wietzer Museumschef forscht zur Aller-Schifffahrt
16:42 08.11.2017
Von Simon Ziegler
Aller-Schifffahrt und Erdölgeschichte haben viel miteinander zu tun: Das undatierte Foto zeigt ein Verladepier mit Tanks der Vacuum Oil Company in Wietze.
Wietze

Die Schifffahrt auf der Aller habe viel mit dem Erdölmuseum zu tun. „In Bezug auf die Erdölgeschichte Wietzes sind einige Aspekte noch unzureichend erforscht. Dazu gehört auch der Öltransport über Aller und Weser nach Bremen“, sagt Lütgert. „Im ersten Kriegsjahr 1914 wurden 76 Prozent der Wietzer Gesamtölproduktion über die Aller zu den Raffineriestandorten verschickt. Für die Celler Schleppschifffahrt waren die Massengüter Erdöl und Kali natürlich grundlegend. Und die Verladestelle in Wietze mit den Tankanlagen gehörte der Vacuum Oil Company, der späteren Mobil Oil“, führt der Museumsleiter aus.

Ging es um die Allerschifffahrt, war in den vergangenen Jahren immer von den maroden Schleusen die Rede. Die vier Bauwerke in Oldau, Bannetze, Marklendorf und Hademstorf müssen saniert werden. Ein Neubau würde viele Millionen Euro kosten. Weil die Finanzierung nicht geklärt ist, ist völlig unklar, wie es langfristig weitergeht.

Museumsmann Lütgert lenkt jetzt den Blick zurück. In dem Aufsatz, den er auch in der Fachzeitschrift „Industriekultur“ veröffentlichen will, geht es vor allem um die Zeit nach Gründung der Celler Schleppschifffahrts-Gesellschaft im Jahr 1898. Themen sind die Kanalisierung der Aller, die Eisenbahn-Konkurrenz, Transportgüter und das Frachtaufkommen.

Selbst in Standardwerken gebe es viele Lücken, sagt der Wietzer Museumsleiter. So habe es zum Beispiel keine Angaben über das tatsächliche Transportvolumen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegeben. „Dies hat mich veranlasst, tiefer in das Thema einzusteigen und nach archivalischen Quellen Ausschau zu halten“, sagt Lütgert. Er habe bei seiner Forschung einige neue Erkenntnisse gewonnen. Dies betrifft unter anderem den zaghaften Beginn der Dampfschifffahrt auf der Aller im Jahr 1887, die für den dauerhaften Betrieb einer Schleppschifffahrt unzureichend umgesetzte Aller-Regulierung ab 1908 und den konkreten Umfang der Erdöltransporte auf dem Wasserweg. Auch zur Größe und Zusammensetzung des Schiffsparks inklusive Angaben zu den Herstellern der Dampfer und Lastschiffe lägen jetzt neue Erkenntnisse vor.

Die Ergebnisse der Darstellung will Lütgert für das Erdölmuseum verwenden. Im kommenden Jahr soll es dort eine Bilderausstellung des Marinemalers Holger Koppelmann zum Thema „Öltanker“ geben. „Dort könnte auch die Allerschifffahrt am Rande Darstellung finden“, so Lütgert. Und: „Ich bin inzwischen der Ansicht, dass die Darstellung der Geschichte der Aller-Schifffahrt bei der touristischen Vermarktung des Aller-Radweges mit seinen hundertjährigen Schleusen zukünftig eine größere Rolle spielen sollte.“ (siz)