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Wietze Wölfe fressen keine Pilzsammler
Celler Land Wietze Wölfe fressen keine Pilzsammler
16:26 04.02.2014
Sascha Büttner bei der Untersuchung - des jungen Rehs, das bei Hornbostel gerissen wurde. Quelle: Joachim Gries
Hornbostel

War es ein Wolf, der in der Nacht zum Dienstag am Ortsrand von Hornbostel ein Reh riss? Thomas Hansen hörte gegen 3.30 Uhr ein Tier etwa fünf bis sieben Minuten lang schreien und vernahm später schmatzende Geräusche. Er öffnete ein Fenster, da war Ruhe. Am Morgen fand er ein kleines Reh wenige Meter hinter seinem Gartenzaun. Im Bauchbereich hatte es ein großes Loch, der Pansen war rausgezogen. Am Hals wies das Tier Bissspuren auf.

Dass ein Wolf zugebissen hatte, kann Wolfsberater Sascha Büttner, der am Nachmittag den Riss dokumentierte und die Spuren aufnahm, nicht definitiv sagen. „Der Eckzahnabstand ist etwas zu gering für einen Wolf“, sagte er, nachdem er das tote Tier am Hals untersucht hatte. Natürlich kann es ein kleiner Wolf gewesen sein – oder ein wildernder Hund. Hunde beißen aber häufig in viele Körperteile und richten so ihre Beute zu.

Büttner nahm an den Bissstellen Proben, die er an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz weitergab. Sie sollen auf DNA-Spuren untersucht werden.

„Rehe hatten bisher keine natürlichen Feinde“, sagte Hansen. Für ihn ist das Natur, was sich da hinter seinem Gartenzaun abspielte - wenn es denn ein Wolf war, der zugebissen hat. Der Hornbosteler findet faszinierend, dass der Wolf zurückgekehrt ist, Angst hat er deswegen nicht.

Es werden immer mehr Wölfe. In Deutschland leben zurzeit 24 Wolfsrudel oder Paare, dazu fünf bis sechs Einzelwölfe. In Niedersachsen gibt es drei Rudel, auf dem Truppenübungsplatz Munster, im Wendland und auf dem Truppenübungsplatz Bergen. Zudem sind mehrere einzelne Wölfe abgelichtet worden, im Juli im Landkreis Gifhorn oder im August im Naturpark Lüneburger Heide.

Vor einer Woche soll ein Jäger – als solcher gab er sich jedenfalls aus - im Bereich zwischen Scheuen und Groß Hehlen Pilzsammler vor einem Rudel mit 30 bis 40 Wölfen gewarnt haben. Erstaunlich, dass die sonst niemand zu Gesicht bekommen hat. Oder wollte da jemand ein reiches Pilzvorkommen vor dem Zugriff Dritter schützen. Tatsächlich soll hier kürzlich ein Wolf gesehen worden sein.

Nach einer Attacke mehrere Wölfen auf Schafe in Brandenburg unterstrich Diplombiologe Kay-Uwe Hartleb, der dort bei Nutztierrissen durch Wölfe als Gutachter tätig ist, dass Menschen von Wölfen nichts zu befürchten hätten. „Wölfe sind äußerst scheu und meiden den Menschen“, zitierte ihn am Donnerstag die Berliner Zeitung. Joachim Gries

Von Joachim Gries