Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Wietze Zwischen Gardasee und Woodstock
Celler Land Wietze Zwischen Gardasee und Woodstock
14:05 24.04.2013
Quietschbunt und überzuckert: Dagmar Paul (links) und Friederike Ebert in der - „Bar zum Krokodil“. Quelle: Anne Friesenborg
Wieckenberg

Unter der Leitung von Axel LaDeur drehte das 30-köpfige Ensemble die Uhr weit zurück und versetzte das begeisterte Publikum in die schwerelose Zeit der Sixties, in der man sich zwischen Gardasee und Woodstock jung, verliebt und neugierig ins Leben stürzte. Mit in Noten vepackten Erinnerungen, so frisch, als ob es gestern war. „Geh’n sie aus, im Stadtpark die Laternen“ sinnierte man im Chor, kokettierte miteinander beim „Tango um Mitternacht“, ließ sich verträumt in den „Heißen Sand“ fallen, genoss unbeschwert das „Paradiso unterm Sternenzelt“ und vergaß bei der „Barcarole in der Nacht“ den Alltag. „Zwei kleine Italiener“ empfahlen den Süden als „Urlaubs-Alternative zu Clausthal-Zellerfeld“. Beim „Itsi Bitsi Strandbikini“ entdeckten nicht nur die Damen, dass das „ich hab nichts anzuziehen“ im Urlaub auch positive Seiten hat. Mit Brausepulver prostete man „Lady Sunshine und Mister Moon“ zu. Und am Ende schunkelte man sich bei „Wir wollen niemals auseinandergehn“ gemeinsam auf Wolke 7.

Unvergessliche Stars von damals wie Catarina Valente, Gitte, Rex Gildo, Peggy March und Siw Malmquist lieferten die Zutaten für das von Nostalgie und Charme durchzogene quirlige Konzert, bei dem den Zuhörern das Stillsitzen spürbar schwer fiel. Aber auch die „Helden“ einstiger Mädchenträume. Man hörte förmlich das Kreischen damaliger Teenies, als plötzlich der leibhaftige Elvis auf die Bühne trat und seine Hüften zum Wackeln brachte. Oder als der stolze Winnetou sein blauschwarzes Haar in den Nacken warf und nach einer Squaw Ausschau hielt. Als allerdings Friederike Ebert sich „einen Cowboy als Mann“ wünschte („so einen, wie John Wayne“), musste sie erfahren, dass es dafür „in Wietze nicht genug Kühe“ gebe. Ersatzweise schwärmte man an den Tischen von heimischer Vergangenheit: „Da hat mich mal einer hinterm Bohrturm...“ Zickig-neckisch ging es bisweilen zu, und immer quietschbunt und überzuckert wie eine Tüte Bonbons. Die tollen Schlager von einst wurden zum Selbstläufer. Mit wonnigen Seufzern registrierte man in den voll besetzten Stuhlreihen, wie lückenlos sie sich mitsingen lassen. Anfangs mit verhaltenem Summen, dann in den Refrain einfallend, und schließlich fielen alle Hemmungen. Eine tolle Show.

Von Rolf-Dieter Diehl