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Winsen Ausstellung in Winsen: Die farbigen Seiten des Moores
Celler Land Winsen Ausstellung in Winsen: Die farbigen Seiten des Moores
13:47 07.09.2016
45 Fotos von Anne Friesenborg verleihen der umfangreichen Ausstellung „Das Moor“ im „Dat groode Hus“ in Winsen einen dokumentarischen Charakter. Quelle: Marcus Jacobs (1)/Anne Friesenborg (3)
Winsen (Aller)

Seit Jahrhunderten faszinieren Moore die Menschen. Früher waren sie mit Attributen wie „unheimlich“ oder „schaurig“ umschriebenes, oft schwer zugängliches Ödland. Viele Dichter ließen sich von den geheimnisvollen Moorlandschaften inspirieren, zahlreiche Sagen und Legenden ranken sich um Moorgebiete. Heute schätzen wir sie als Naturwunder und kennen ihre ökologische Bedeutung.

Unter dem Titel „Des Ersten Tod, des Zweiten Not, des Dritten Brot – Das Moor“ informiert der Winser Heimatverein mit einer Sonderausstellung im Obergeschoss des Grooden Huses im Museumshof ausführlich über die heimischen Moore, ihre Entstehung, ihre Geschichte und ihre Nutzung. Die besondere Bedeutung der Biotope für Flora und Fauna sowie die unverzichtbare Klimaschutzfunktion der Moore werden auf informativen Bild- und Texttafeln erläutert. Geräte zur Torfgewinnung wie Transportkarre, Spaten, Torfformen und lederne „Pferdeschuhe“, die seinerzeit das Einsinken der Hufe in den morastigen Boden verhinderten, ergänzen die Ausstellung.

Eingebunden in diese Schau sind rund fünfzig Fotos, die Anne Friesenborg in und von den heimischen Mooren gemacht hat. Sie zeigen, was man mit Worten kaum beschreiben kann: Die farbenfrohe Schönheit dieses urwüchsigen Lebensraums, etwa im Ostenholzer Moor bei Wietzendorf, im Goosemoor bei Walle oder im Pietzmoor bei Schneverdingen. Ihre Fotos sind im Verlauf der Jahreszeiten gesammelte Eindrücke und Erlebnisse. Anne Friesenborg nimmt ihre Motive dabei wahr wie eine Landschaftsmalerin, mit dem sensiblen Blick für die Poesie im Alltäglichen. Die Inszenierung überlässt sie der Natur und dem Augenblick: Von der Roten Libelle über die Mooreidechse bis zum männlichen Moorfrosch in seinem strahlend blauen Hochzeitskleid, vom Wollgras über den glitzernden fleischfressenden Sonnentau, einem wahren Überlebenskünstler unter den Heidegewächsen, bis zum Gagelstrauch, einer bizarren Pflanze, ein bisschen wie Weidenkätzchen, aber viel lockerer und in ihrer rötlichen Färbung von weitem mit der blühenden Heide zu verwechseln.

Die Fotos spiegeln Friesenborgs intensive Beschäftigung mit der Ästhetik der Landschaft um sie herum, vom frühem Morgennebel bis zum abendlichen Sonnenuntergang. Landschaftsfotografie ist für sie aber auch Dokumentation der facettenreichen Lebensräume. Mit dieser Maxime hat sie in den Mooren viele malerische Motive entdeckt, deren Detailreichtum sie in ihre Aufnahmen einfließen ließ.

Von Rolf-Dieter Diehl