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Winsen Balanceakt zwischen Anspruch und Amusement gelingt
Celler Land Winsen Balanceakt zwischen Anspruch und Amusement gelingt
12:03 22.02.2010
freitagsveranstaltung im nebenan in winsen. - rechts Ulrich Schuette, links Thomas Dust. Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Winsen (Aller)

Nick ist heute fast unbekannt, obgleich er als junger Musiker vor fast 80 Jahren so manch zeitkritische Kabarettnummer höchst erfolgreich in Töne gefasst hat. Später war Nick Musikredakteur beim WDR und als auch diese Etappe seiner bewegten Biografie abgeschlossen war, da vertonte er vor ungefähr vierzig Jahren den Gedichtzyklus Erich Kästners.

Herausgekommen ist eine Amalgam von klassischen Lied, Chanson und Song. Wenn hier ein paar Takte ganz nach Schubert klingen, dann aber sogleich die Lakonik eines frühen Kurt Weill oder die pointensichere musikalische Zuspitzung eines Kabarettsongs unüberhörbar wird, dann muss das keineswegs heißen, dass durch diese Mischung ein besonderer Reiz entstehen muss. Nick aber verbindet das alles zu einer ganz eigenen Musiksprache, die mit traumwandlerischer Sicherheit auf dem schmalen Grat balanciert, der künstlerischen Anspruch mit Amusement verbindet. Die Texte faszinieren durch ihre gedankliche Schärfe und durch ihre Sprachkraft. Die Musik Nicks schmiegt sich wie selbstverständlich um die Worte, ohne deshalb im Hintergrund zu bleiben. Und genau so wurde diese Musik auch in Winsen zur Aufführung gebracht.

Pianist Thomas Dust brillierte zwar weniger als sein Kollege auf der gerade erschienen CD mit Virtuosität, aber er fand für jedes der Stücke die angemessene Weise des Musizierens. Ulrich Schütte liefert als Sänger musikalisch und stilistisch zweifelsfrei eine ideale Umsetzung dieser Musik zwischen allen Genres. Jedoch leidet die Aufführung ein wenig daran, dass Schüttes Stimme hörbare Grenzen hat. Und seine Technik leider auch. Trotzdem aber nimmt er sich kaum einmal zurück, wo es die Faktur der Stücke durchaus nahe legen würde. Dass die Aufführung trotzdem ganz lange nachhallt, bestätigt aber, wie zwingend die Aufführung als Ganzes war. Ein großer Erfolg im ausverkauften „Nebenan“.

Von Reinald Hanke