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Winsen Bei uns ermordeter Kinder gedacht
Celler Land Winsen Bei uns ermordeter Kinder gedacht
12:27 09.11.2018
Andreas Babel berichtete im Café nebenan in Winsen unter anderem über "die Kinder vom Bullenhuser Damm" in Hamburg- Rothenburgsort. Quelle: Kirsten Glatzer
Winsen

Es war ein Thema, das unter die Haut ging. Bei der Auftaktveranstaltung der Reihe „mittwochs.im.nebenan“ in Winsen ging es um „Kinder als NS-Opfer“. Der Journalist Andreas Babel beschäftigt sich seit Jahren mit den Umständen, die zur Tötung von Kindern in sogenannten Ausländer-Pflegestellen, im einstigen Schulgebäude Bullenhuser Damm oder auch im Hamburger Kinderkrankenhaus Rothenburgsort führten. An letzteren war Dr. Helene Darges-Sonnemann aktiv beteiligt, die spätere Leiterin der Kinderabteilung des Celler AKH.

Wenngleich viele Menschen der Ansicht sind, es reiche, es sei genug zu dem Thema gesagt worden und gehe die jetzigen Generationen doch gar nichts mehr an, dürfte angesichts der derzeitigen Entwicklung mit zunehmender Fremdenfeindlichkeit und Rassismus klar sein: Nein, es reicht eben nicht. Nie war es wichtiger, sich zu positionieren, rechtsradikalen Tenden­zen etwas entgegenzusetzen und die fürchterlichen Geschehnisse der Vergangenheit immer wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Auch im Landkreis Celle, sozusagen vor unserer Haustür, kam es in der Zeit des Nationalsozialismus bekanntlich zu Gräueltaten. Bis Ende September war in der Gedenkstätte Bergen-Belsen die Sonderausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ zu sehen. Doch nicht nur in Konzentrationslagern wurden sie Opfer des Rassenwahns der Nationalsozialisten, sondern auch in anderen Einrichtungen.

So verloren etliche Säuglinge und Kleinkinder von Zwangsarbeiterin­nen in sogenannten „Kinderheimen“ in Wietze, Bergen, Unterlüß oder Papenhorst ihr Leben. Man trennte sie von ihren Müttern und brachte sie in „Ausländerkinder-Pflegestätten“ unter, wo sie erfroren, verhungerten oder verdursteten. Heimatpflegerin Friederike Witt-Schiedung aus Stedden trug vor knapp 50 Besuchern im Café nebenan einen selbst verfassten Text zu diesem Thema vor, der neben „Die Kinder von Papenhorst“ und anderen Texten in den Geschichtsblättern Nr. 2 nachzulesen ist, die bei der Gemeinde erhältlich sind.

Mit den Informationen, die seine Recherchen hervorbrachten, und unterstützt von Bildern der Opfer zeichnete Andreas Babel die viel zu kurzen Lebenswege einiger Kinder nach.

Am Ende der Ausführungen stellte er den Zuhörern die Frage: „Wie kommt es, das Menschen zu so etwas in der Lage sind und niemand Zivilcourage zeigt?“ Die Täter seien doch schließlich „ganz normale Menschen“ gewesen. Eine Antwort auf diese Frage gab es nicht.

Elke von Meding, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen, zeigte sich dennoch beeindruckt von den Recherche-Ergebnissen: „Ich freue mich, dass Sie das in Angriff genommen haben, gerade auch mit dem aktuellen Bezug hier vor Ort. Seit ich mich mit dem Thema beschäftige, stoße ich immer wieder auf eine Mauer des Schweigens. Ich frage mich, warum die Menschen heute noch Angst haben, schlecht angesehen zu werden, weil das damals passiert ist, statt sich darum zu kümmern, was genau geschah.“

Warum so viele unter Gedächtsnisverlust litten und leiden, wenn es um die unrühmliche Vergangenheit geht? Sicher wäre es angenehmer, sich mit den Heldentaten der Altvorderen zu brüsten, die unter Einsatz des eigenen Lebens das anderer gerettet haben. Doch wenn es solche Heldentaten nicht zu vermelden gibt, schweigt man anscheinend lieber.

Von Kirsten Glatzer

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