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Winsen Braver Anfang – starker Schluss
Celler Land Winsen Braver Anfang – starker Schluss
10:59 07.01.2014
Erst nach der Pause konnten die vier Posaunisten von „opus 4“ beim Neujahrskonzert im Grooden Hus zeigen, auf welch hohem Niveau sie zu spielen in der Lage sind. Quelle: Benjamin Westhoff
Winsen (Aller)

Einmal im Jahr lädt der Heimatverein Winsen und die Gemeinde Winsen gemeinsam ins Groode Hus ein. Dann gibt es ein Konzert zum neuen Jahr, vorab ein paar zum Glück kurz gehaltene Reden und ein Glas Sekt. Dieses Mal wurde einmal mehr das Posaunenquartett „opus 4“ aus Sachsen verpflichtet. Und diese Musiker brachten ein bunt gemischtes Programm mit, das sie mit sogenannter „alter Musik“ begannen und mit unterhaltenden Klängen zwischen Klassik und Jazz aus dem 20. Jahrhundert beschlossen. Eingeschoben gab es noch als Besonderheit einen kleinen musikalischen Exkurs in die Alpen mit zwei Alphornstücken, die mit ihrem so runden und voluminösen, dabei aber immer weichen Klang verständlicherweise sehr großen Anklang fanden. Schade eigentlich, dass nicht mehr Alphornmusik zu hören war.

Während der erste Konzertteil mit Werken von Monteverdi, Susato, Schütz und Bach abgesehen vom berühmten Bach-Stück Orgel-„Toccata und Fuge in d-moll“ auf Barockinstrumenten gespielt wurden, ging man danach auf moderne Instrumente über. Nur auf solchen sind so virtuose Stücke wie besagtes Bach-Stück überhaupt spielbar. Allerdings muss man leider einschränken, dass etwas gar zu viele Töne dieser Bearbeitung und Umsetzung nicht aus dem Original stammten und auch beim besten Willen nicht passten. Nichts gegen Bearbeitungen, aber sie sollten dann schon auch dem Wesen des Stückes nachempfunden sein. Das war hier dann doch nur sehr eingeschränkt der Fall. Und dass das Arrangement von besonderer Originalität geprägt gewesen wäre, das kann man auch nicht sagen. Überhaupt war die ganze erste Programmhälfte eher brav heruntergespielt als lustvoll ausmusiziert.

Dafür wurde das Konzert dann aber nach der Pause umso besser. Das Potpourri über Leonard Bernsteins „Westside Story“ ließ zwar das fetzigste Stück des Musicals, „America“, vermissen, überzeugte aber trotzdem. Nur schade, dass das Zusammenspiel nicht immer hundertprozentig klappte. Irving Berlins „Alexanders Ragtime Band“ gelang aber dann genauso gut wie ein Medley aus den verschiedensten Nummern von George Gershwin. Nun war das Ensemble richtig gut drauf und demonstrierte, wie musikantisch es spielen kann, wenn es erst einmal in Schwung gekommen ist.

Die Zuhörer im voll besetzten Grooden Hus waren so angetan, dass noch eine Reihe Zugaben folgte: eine Nummer besser als die andere. Ein starker Schluss eines Konzertabends, der lange gebraucht hat, bis er sich auf das Niveau dieses Schlusses hinauf geschwungen hatte. Gerne würde man dieses Ensemble wieder hören, dann aber bitte mit weniger historischen Klängen und von Anfang an auf dem Niveau des zweiten Programmteils.

Von Reinald Hanke