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Winsen Celler Feuerwehren mit Nachwuchssorgen
Celler Land Winsen Celler Feuerwehren mit Nachwuchssorgen
17:54 29.03.2015
Von Simon Ziegler
Karsten Wiebe (Mitte) erhielt am Freitag die zweithöchste Auszeichnung, die ein Feuerwehrmann in Deutschland bekommen kann. Ihm gratulierten Volker Prüsse (links) und Gerd Bakeberg. Quelle: Simon Ziegler
Winsen (Aller)

Premiere für Volker Prüsse: Zum ersten Mal trug der Vorsitzende des Celler Kreisfeuerwehrverbandes am Freitag den Jahresbericht vor. Der 49-Jährige war im vergangenen Jahr in Baven zum Nachfolger von Gerd Bakeberg gewählt worden, der den Vorsitz mehr als 20 Jahre innehatte.

Nach einer Gedenkminute für die Opfer der Flugzeugtragödie in den Alpen, bei der auch Feuerwehrleute ums Leben kamen, erläuterte Prüsse im Winser Jann Hinsch Hof die Zahlen für das vergangene Jahr. Was er zu sagen hatte, war nicht nur positiv. Vor allem der Rückgang der Mitgliederzahlen bei den Jugendwehren stimmt nachdenklich. Im Vergleich zu 2013 sank die Zahl im vergangenen Jahr um fünf Prozent, obwohl bereits aus den Kinderfeuerwehren 19 Mitglieder übernommen wurden.

Insgesamt gab es bei der Mitgliederentwicklung einen "äußerst geringen Rückgang", wie Prüsse sagte. Die Zahl der aktiven Feuerwehrleute im Kreis Celle sank von 3067 auf 3056. Die Feuerwehren haben alles in allem 5325 Mitglieder.

Nachdem für die Feuerwehren 2013 mit dem Elbe-Hochwasser ein äußerst kräftezehrendes Jahr war, ging es 2014 ruhiger zu. Die Feuerwehren wurden zu 946 Einsätzen (vorher 1178) gerufen, davon waren 340 Brandeinsätze, berichtete der stellvertretende Kreisbrandmeister Willi Lucan. Der mit Abstand größte Einsatz war im Juli das Feuerinferno im Celler Hafen. Daneben erwähnte Lucan "Verkehrsunfälle mit mehreren jungen Verkehrstoten. In jedem Einsatz wird etwas Besonderes abverlangt."

Der stellvertretende Kreisbrandmeister streifte weitere Themen: Die digitale Alarmierung ist kreisweit abgeschlossen, zum 1. März wurde der erweiterte Testbetrieb im digitalen Sprechfunk gestartet. Es gebe dabei noch Probleme, die mit Hochdruck bearbeitet würden, so Lucan. Kritik äußerte er an der Ausbildung auf Landesebene. Das sei das "reinste Chaos", weil die Celler geringe Zuteilungsquoten bei Lehrgängen an der NABK (Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz) bekämen.

Die ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehrkameraden würdigten der Celler Bürgermeister Heiko Gevers und Winsens Verwaltungschef Dirk Oelmann. "Es ist beschämend, mit welchen Gerätschaften Sie in den Einsatz geschickt werden", sagte Oelmann und erinnerte daran, dass zwei von vier Einsatzleitwagen der Kreisfeuerwehr nicht einsatzbereit sind und es einige Zeit dauerte, bis der Landkreis das Thema gelöst habe.

Ehrungen besonders verdienter Feuerwehrleute rundeten die Veranstaltung am Freitag ab. Es war ein schöner Zug, dass auch Pastorin Inge Mattern aus Celle für ihre Notfallseelsorge mit der Ehrennadel des Kreisfeuerwehrverbandes in Gold bedacht wurde. Die höchste Auszeichnung ging am Freitag an Karsten Wiebe. Der Wietzer Gemeindebrandmeister bekam für besondere Verdienste das Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbandes in Silber. Es ist die zweithöchste Ehrung, die ein Feuerwehrmann in Deutschland bekommen kann.