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Winsen „Da Capo – Das große Opernfest“
Celler Land Winsen „Da Capo – Das große Opernfest“
16:45 01.11.2010
Susanne Sommer (Mezzosopran, links) und Michaela Rams (Sopran) bei Rossinis liebevoll-klamaukigem „Katzenduett“. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Winsen (Aller)

Moderiert von Volker Thies und begleitet von Katharina Sellheim (Klavier) inszenierten Michaela Rams (Sopran), Susanne Sommer (Mezzosopran), Christoph Rosenbaum (Tenor) und Dietmar Sander (Bariton) vor rund 200 Gästen im vollbesetzten Saal zwar einerseits die märchenhafte Unwirklichkeit von opernhaften Figaros, Toreros, Königinnen der Nacht und verkauften Bräuten, aber auch die immer wieder schönen Geheimnisse und Rätsel der Liebe in ihrem traumhaft sinnlichen Überfluss und ihrer verschwenderisch schwelgerischen Poesie. In ihren Arien, Liedern und Duetten – unter anderem von Mozart und Puccini, von Rossini und Verdi – flossen Wehmut und Zärtlichkeit innig und herzerwärmend zusammen, als sich die Protagonisten der großen Opern zu mitternächtlicher Stunde auf der verlassenen Bühne trafen. Die musikalische Darstellung von Übermut, kokettem Spiel, Humor und Ironie forderte aber vor allem auch die komödiantischen Seiten der Interpreten heraus. Was den begeisterten Zuhörern hier an musikalischen „Augenaufschlägen“ vorgeführt wurde, war pures Vergnügen: Da flog plötzlich Tosca auf den Fliegenden Holländer, und Carmen untergrub Sarastros klösterliche Disziplin. Da ließen Rams und Sommer in Rossinis mauzendem „Katzenduett“ mit sprühendem Charme die schmusigen Raubtiere heraus. Da brachte Sellheim sogar den Flügel zum Singen, aus dem bei manch anderen Liedbegleitern nur Pflichttöne zu vernehmen sind. Sie erwies sich dabei als souveräne, sympathisch unaufdringliche Pianistin mit viel Sinn für dynamische Finessen und subtile Klangpoesie. Da folgte auf das ausgelassene champagnerselige Trinklied „Libiamo ne’lieti calici” aus Verdis „La Traviata” – einer der vielen Höhepunkte des Opernfestes – aber auch das „Va pensiero“ des Gefangenenchors aus Verdis „Nabucco“ und kündigte viel zu früh das Ende der Geisterstunde an, deren abschließendes Quartett „Mir ist so wunderbar“ aus Beethovens „Fidelio“ dem bestens gestimmten Publikum aus dem Herzen sprach.

Von Rolf-Dieter Diehl