Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Winsen Der Fischotter ist im Kreis Celle zurück: Ein Räuber entdeckt die Gartenteiche
Celler Land Winsen Der Fischotter ist im Kreis Celle zurück: Ein Räuber entdeckt die Gartenteiche
18:22 29.05.2015
Von Simon Ziegler
Fischotter breiten sich immer weiter aus und dringen jetzt auch in die Dörfer ein.     Quelle: Rudolpho Duba
Bannetze

Doch die Begeisterung über den Rückkehrer hat auch eine Kehrseite. Wie Kreisjägermeister Hans Knoop bestätigt, kommt es in jüngster Zeit immer häufiger vor, dass Fischotter ihren Appetit in den Randgebieten der Dörfer stillen und Fische aus Gartenteichen verzehren. In Bannetze fielen jetzt sogar mehrere Kois dem gefräßigen Räuber zum Opfer. In der Dämmerung ging er mehrfach in den Flachgewässern auf Jagd. Von seiner Beute ließ er Köpfe und Schuppen zurück.

Inzwischen haben die geschädigten Teichbesitzer auf Anraten des Otterzentrums in Hankensbüttel Elektrozäune gespannt und dem Eindringling den Zugang zu ihren Gärten versperrt. „Das hilft“, heißt es in Bannetze, „aber schön aussehen tun die Zäune nicht.“ Otterkenner vermuten, dass die besonders streng geschützten Tiere von den Meißendorfer Teichen aus nach Süden vorgedrungen sind.

Fischotterfamilien beanspruchen bis zu 40 Quadratkilometer große Lebensräume und sind nachts manchmal mehr als 20 Kilometer unterwegs – immer auf der Suche nach Nahrung, die sie ohne große Mühe erbeuten können. Die bis zu zwölf Kilogramm schweren Räuber ernähren sich nicht nur von Fischen, sondern fressen auch Vögel, Mäuse, Bisamratten und Frösche. Fischotter können in der freien Natur zehn Jahre und älter werden, sie paaren sich ganzjährig und ziehen alle zwei Jahren bis zu fünf Welpen groß.

Offensichtlich haben der strenge Artenschutz und die Einstellung der Jagd dem Fischotter gutgetan. Seit 1966 genießt er in Niedersachsen eine ganzjährige Schonzeit, seit gut 20 Jahren profitiert er von einem Schutzprogramm der Landesregierung, das seine Wirkung nicht verfehlt. Sollte sich die Otterpopulation weiterhin ähnlich entwickeln wie die des Wolfes, heißt es in Jägerkreisen, dann könnte auch der Fischotter schon bald viele Naturfreunde gegen sich aufbringen – nicht nur die Gartenteichbesitzer in Bannetze.